Sehen

Mutmaßungen, es sei Romantik mit im Spiel – sind von der Hand zu weisen

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Da ist der Mann,
da ist die Frau –
da ist Anziehung,
da ist Möglichkeit zu Vereinigung

Die Waldlichtung,
begrünt durch den Frühling,
der blaue Himmel schickt seine Wolken

Die Frau steht vor dem Mann –
steht und schaut auf ihn,
der stark ist und jung,
und groß –

wie die Fichten ringsum,
und so schlank –;
wie die Ginsterblüten so schön

Der Mann geht nicht auf und ab –
nein,
er steht und schaut auf die blonde junge Frau –

die sich vor ihm –
ohne Scham –
entkleidet –;
da sie und er sich gelobten solches –

zu beginnen –;
beginnend mit Entkleidung,
weiter mit Berührung –
ganz wie natürlich

Der aufkommende Wind,
der durch die Lichtung weht,
ist ein warmer Wind –
und hell

Hell ist auch der Vorsatz der beiden Liebenden,
die,
wie sie beide jetzt nackt stehen –

sich niederknien –
sie vor ihn,
er vor ihr –;
und sich berühren in achtsamer Langsamkeit

Die Tür der Blockhütte im Hintergrund steht weit offen –
keine weiteren Menschenseelen –

als nur die Frau und der Mann,
die sich lieben wollen –
körperlich lieben wollen –,
da ihre –

Seelen längst schon sich versprochen und gelobt haben,
Gefährten sein zu wollen –auf ewig

Ist es eine Art Romantik,
die Klischee-behaftet anmutet,
solches aufkommen zu sehen –

wie sie da so vor sich knien,
über eine längere Zeit,
und nichts anders tun als sich anschauen –

in ihrer Nacktheit –
und sich sanft streicheln –,
bevor sie sich zueinander legen –
ins hohe Gras?

Das Gras ist frischgrün und noch feucht vom Vortag,
aber was macht es den Liebenden –

sie spüren die wärmende Feuchte gern an ihren Körpern und winden sich im Gras –

hin und her –,
und der Mann kommt gleich über die Frau –
mit seinem sehnigen Körper

Und die Frau öffnet weit für ihn ihre schlanken Schenkel –
so daß er sieht,
und erkennt –

daß sie die Vereinigung begehrt –
damit ihre Liebe besiegelt wird,
da sie sich bisher –

noch nicht in dieser Form vereinigt und geliebt haben –;
sie gingen bisher noch unsichere –

Schritte ihres gemeinsamen Weges –;
bis zu diesem hellen Frühlingstag des Ankommens

Minutenlang sah es bei beiden wie ein Zögern aus –
jedoch war es eine Art gegenseitige –

Anbetung –
ja,
eine Devotion die der Mann der Frau –
und die Frau dem Mann,
schenkt

Erst nach diesen Minuten kommt es zum Eigentlichen –;
die Erfüllung findet statt –

im Einvernehmen,
unter Zuversicht auf beiderseitiger Sättigung bei der Vereinigung –

die erfolgt –,
inmitten all der Bäume ringsum,
und all der duftigen Blüten und Gräser –

Zugriffe gesamt: 4