Sehen

Nächtliche Faulheit

Luiz Goldberg

Ein Hoch auf die Nacht.
Die mystische Zeit.
Der Tag hat seine Schuldigkeit getan
und kann die Maske ablegen.
Denn jetzt kommt die wahre Natur
des Menschen zum Vorschein.
Jetzt werden die wahren Schlachten geschlagen.
Nein.
Ich meine keine Kämpfe um Reichtum
oder Ruhm.
Jetzt geht es um die intimen Duelle,
wo der Körper gegen den Geist antritt.
Stellen Sie sich vor:
Es ist halb eins,
und der Magen knurrt.
Der Hunger ruft.
„Aufstehen.“
Aber die Faulheit flüstert.
„Liegenbleiben.
Hier im Bettchen ist es warm.
Außerdem.
Sparst du Kalorien!“
Oh.
Ein Killerargument.
Aber der Magen quält weiter.
Doch die Nacht ist gnadenlos.
Kaum eine Stunde später,
halb zwei, meldet sich die Blase.
Ein drängendes, unerbittliches Drücken.
„Raus aus dem Bett!“,
befiehlt sie.
„Oder willst du hier eine Überschwemmung riskieren?“
Wieder tritt die Faulheit an.
Sie hat ein Arsenal an Ausreden:
„Nur noch fünf Minuten.
Es ist kalt auf dem Flur
und das Toilettenpapier ist alle. “
Für einen Augenblick siegt sie,
dann rebelliert die Blase endgültig.
Kein Pardon mehr.
Mit einem Seufzer schleppen wir uns hoch,
tappen ins Bad,
und erledigen, was erledigt werden muss.
Die Faulheit hat verloren.
Und weil wir schon mal stehen,
schauen wir in der Küche nach,
ob es was zu essen gibt.

Und dann,
als ob die Nacht uns noch nicht genug gequält hätte,
kommt der Höhepunkt –
im wahrsten Sinne des Wortes.
Halb drei,
und die Geilheit schleicht sich an.
Sie ist subtiler als der Hunger,
drängender als die Blase.
Der Schwanz erwacht.
Er klopft gegen die Bettdecke.
Die Nachtlatte.
Sie bittet um Verständnis.
Die Eier haben auch ihre Bedürfnisse.
Der Kopf und der Verstand wollen jedoch
endlich Schlaf finden.
„Morgen früh musst du raus“,
mahnen sie.
„Schlaf weiter, du Narr!“
Aber die Geilheit ist ein listiger Fuchs.
Sie flüstert von Fantasien,
von verborgenen Gelüsten,
die im Dunkel der Nacht so verlockend wirken.
Und siegt sie?
Oh ja!
Mit ein paar geschickten Handgriffen,
einem Seufzer der Erlösung,
wichsen wir uns in den Schlaf.
Frieden kehrt ein,
der Körper entspannt sich.
Nacht hat bekommen, was der Nacht gehört.
Amen.

Zugriffe gesamt: 2122