Sehen

Neonlichter oder Gespräche unter Freunden

Luiz Goldberg

Peter: Also, stell dir mal vor, du stehst mitten auf so einer extrem belebten Straße. Die Luft um dich herum ist so dicht, also fast schon so schwer, dass du echt das Gefühl hast, du läufst gegen eine physische Wand.

Sandra: Hier in Berlin? Das liegt schon Jahre her. Zweitausendachtzehn war ein solches Jahr.

Peter: Nein, ich meine nicht Berlin. Ich spreche von Bangkok.

Sandra: Da war ich noch nie. Aber ich habe einen tollen Fotoband über die Stadt. Von Greg Rirard.

Peter: Da irrst du dich. Ich kenne den Fotografen und das Buch. Er hat Hongkong fotografiert.

Sandra: Egal. (lacht) Dieselbe Ecke in Asien.

Peter: Nicht ganz. Aber das meine ich nicht. Sondern. In der einen Sekunde atmest du diesen ganz zarten, süßlichen Duft ein von Jasmin, der von so einem kleinen Schrein rüber weht. Und dann wirklich genau im nächsten Atemzug brennt sich dir dieses richtig beißende aggressive Abgas von hunderten hupenden Mopeds in die Lungen. Das Ganze dann noch gemischt mit diesem scharfen, fettigen Aroma von Streetfood. Es ist quasi ein absoluter Krieg der Sinneseindrücke.

Sandra. Klingt spannend oder gruselig oder beides.

Peter: Aber mir geht es im Grunde um etwas anders. Das was ich dir beschrieben habe, ist nur der Auftakt für etwas anderes.

Sandra: Und was?

Peter: Wir reißen diese schillernde, ohrenbetäubend laute Fassade des Rotlicht- und Nachtlebens von Bangkok einmal komplett ein. Wir wollen eben nicht nur betrachten, was da so an der Oberfläche passiert, sondern wir wollen richtig tief in die Mechanik dieser Stadt vordringen.

Sandra: Wozu? Du willst doch nur wieder über Sex reden. Gib es zu. Du willst, dass wir uns genüsslich darüber unterhalten und dann möchtest du, dass wir im Bett miteinander verschwinden.

Peter: Etwas derart Primitives käme mir doch überhaupt nicht in den Sinn. Aber jetzt, wo du das Thema schon mal draufgebracht hast … Wollen wir ficken?

Sandra: Siehst du ertappt. Aber wir müssen uns beeilen. Klaus kommt in einer Stunde.

Beide gehen ins Schlafzimmer, wo unter der Seite von Klaus ein Pornoheft liegt, in dem Frauen mit großen Brüsten, es genüsslich mit dem Hausfreund treiben.

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