Sehen

Neulich beim Gynäkologen

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Frau Karola Vogt, die Gattin des Bezirksbürgermeisters, ist auf dem Weg zu ihrem Gynäkologen. Sie hatte da was an ihrer Scheide entdeckt, eine Art rötliche Pustel, oder Pickel, was auch irgendwie leicht schmerzlich juckt. Jedenfalls will sie das schnell abgeklärt wissen. Beim Betreten der Praxis, gleich an der Anmeldung, wurde ihr gesagt, daß der alte Doktor in Rente ist, und sein Nachfolger, Dr. Weiß, die Praxis übernommen hat. Auch gut, denkt Karola – den alten Dr. Schwarzkopf konnte ich eh nicht so gut leiden. Nach nur wenigen Minuten wurde sie auch schon ins Behandlungszimmer gebeten. Hier wurde sie gleich zwei Weißkittelmännern ansichtig, und sagte einen guten Morgen. Die beiden Weißkittel grüßten höflich zurück. Also wenn das Dr. Weiß ist, dieser Ältere, dann ist der Jüngere wohl so was wie ein Assistentsarzt? Oder ein Arztanwärter? Na, mir egal, denkt Karola und sagt: „Ich mach mich dann schonmal frei.“ Und in etwas umständlicher Manier, beginnt sich Karola auszuziehen. Sie trägt ein champagnerfarbenes Kostüm und hochhackige schwarze Schuhe, die sie zuerst abstreift. Dann öffnet sie ihre Kostümjacke, zieht diese aus und legt sie über den bereitstehenden Stuhl. Karola ist eine üppige Frau von 37 Jahren, sehr attraktiv und legt großen Wert auf ihr Äußeres, vor allem auf ihre Figur. Sie legt gerade ihren Rock zur Kostümjacke und knöpft ihre weiße Bluse auf, unter der ein schöner weißer Spitzen-BH schimmert. Nun steht sie schon allein in Unterwäsche da: BH, Slip und die hautfarbene Strumpfhose noch darüber. Die Strumpfhose streift sie herunter, indem sie sich dabei auf den Stuhl setzt, dann steht sie wieder auf und zieht ihren Slip aus und legt auch diesen zu ihren anderen Sachen. „Den BH ziehe ich auch schonmal aus, ja? Ich wünsche eine umfassende Untersuchung.“ Seltsam, Dr. Weiß hat noch nichts geäußert. Und der Assistenzarzt – naja, der muß ja nicht. Karolas Gedanken sind etwas ungeordnet. „Ich steige schonmal auf den Stuhl und dann kann´s hoffentlich losgehen.“ Nach dieser Aussage liegt Karola wenige Augenblicke später, schon auf dem Gynäkologenstuhl mit gespreizten Beinen. „Wenn sie bitte mal näher treten und schauen wollen… hier gleich am Scheideneingang, hab ich eine Art Pustel entdeckt, die ein weinig schmerzhaft juckt. Was kann das wohl sein?“ Und tatsächlich tritt der ältere Weißkittel näher und schaut sich das, was Karola da zeigt, genüßlich an. Sie zieht ihre großen Schamlippen dabei so weit wie möglich auseinander, aber denkt gleichzeitig, das hätte der alte Dr. Schwarzkopf aber mit seinem Spekulum doch schon längst selbst gemacht. Und als der junge Weißkittel auch noch dazukommt und reinschaut, fragt Karola: „Was meinen Sie, Herr Doktor, was kann das wohl sein?“ – „Doktor?“, fragt der ältere Weißkittel, „wir sind bloß die Maler, wir sollen die Fensterwand hier neu streichen, Udo, hol doch schonmal die Farben und die anderen Gerätschaften, damit wir hier fertig werden.“ – Karola ist tief und peinlich bestürzt, als die Praxistür aufgeht und die Arzthelferin zu ihr sagt: „Frau Vogt, sie sollten doch in die 12, nicht in die 11 – hier wird heute gestrichen, Dr. Weiß wartet schon in der 12 auf Sie!“

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