Sehen

Notizen zu "Dein Blick"

Marcel von Reich-Witz

Kommen wir heute zu Zeilen
des Autors Luiz Goldberg.

Sein Werk trägt den wunderschönen Titel
„Dein Blick“,
und es ist eine Ansprache
an eine Person,
also wir müssen mal annehmen,
dass es eine Person ist.

Vielleicht ist es auch ein Haustier,
aber das wird an keiner Stelle erwähnt.

Obwohl es denkbar ist,
es ist nicht ausgeschlossen,
der scheinbar oder das oder die gegangen ist,
also vermutlich ist der Tod damit gemeint.

Und man könnte auch meinen,
dass es eine Person ist
oder eine Entität,
wenn man sozusagen auch mehr
als nur Menschen damit meint,
die nicht zu ersetzen,
weil die letzte Zeile ist
„ersatzlos“.

Also jemand hat ihm,
den Autor,
jeden Morgen mit einem Blick geweckt
und dabei tief in die Seele
des Autors geschaut.

Das kann auch eine Katze sein übrigens,
die vor dem Kopf des Schlafenden steht
und ihn anschaut.

Es kann eine Frau sein,
man weiß es nicht.

Und also diese Person
hat ihm Vertrauen geschenkt
und Liebe.

Und jetzt bist du gegangen.

Und das Du drückt natürlich
tiefe Verbundenheit aus.

Also es ist nicht irgendeine
beliebige Person.

Das wäre ja sowieso nicht,
wenn man liebt.

Aber es gibt ja auch
platonische Lieben,
wo man sich trotzdem sieht,
aus einer sehr respektvollen
Liebe heraus.

Aber das muss ja etwas anderes gewesen sein.

Es muss etwas sehr tief
Verbindendes gewesen sein.

Und diese Person ist gegangen,
also vermutlich gestorben.

Das Interessante ist,
also darum würde ich sagen,
dass es ein Mensch ist,
weil ein Tier man noch relativ neu
ersetzen kann.

Das klingt jetzt hart
mit dem Ersetzen,
aber viele haben ein Tier,
das stirbt,
und dann holen sie sich ein neues Tier
aus dem Tierheim oder frisch geboren,
und es nimmt die neue Rolle ein.

Es liebt dann auch,
wie das Tier davor
einen geliebt hat.

Aber bei einem Menschen ist es anders.

Man kann einen Menschen,
der zurück liebt,
nicht einfach ersetzen.

Das ist ja ein bisschen komisch.

Tiere lieben ganz einfach.

Man behandelt sie gut,
man gibt ihnen zu fressen,
man streichelt sie,
und sie lieben einen.

Ohne Erwartungshaltung.

Und wir lieben sie auch dafür,
dass sie uns lieben,
so wie wir sind.

Der Mensch ist anders.

Und der Mensch, wenn er liebt
und wenn gegengeliebt wird,
dann ist es etwas Seltenes.

Von daher würde ich einmal behaupten,
ist diese Person,
von der er hier spricht,
eine Frau gewesen,
mit der er halt sehr lange
und sehr intensiv zusammengelebt hat
und die nun verstorben ist.

Weg. Ausradiert.
Aus der Gegenwart.

Und von daher ersatzlos gestrichen,
weil man einen Partner
nicht einfach ersetzen kann.

Selbst wenn dann jemand Neues kommt,
er wird etwas anderes sein,
aber niemals das,
was gewesen ist.

Das ist einmalig.

Und ich glaube, das wollte uns der Autor damit sagen,
dass wir das schätzen sollen,
was wir haben.

Und zwar im Leben und nicht erst dann,
wenn es vorbei ist.

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