Sehen

Paare - Hochzeit

Sirius Braun

Jan:
Ich war auf der Hochzeit
meines ältesten Freundes Markus.

Eigentlich wollte ich gar nicht hin,
nicht wegen Markus,
das ist ein wirklich guter Freund von mir,
sondern drei Stunden Anfahrt,
dann Anzug,
fremde Leute,
das ist überhaupt nicht meine Welt.

Aber gut, er ist mein bester Freund,
beziehungsweise einer meiner besten Freunde,
also bin ich hin.

So, und dann stehe ich natürlich
am Sektempfang,
abseits,
ein Glas in der Hand,
das ich nicht wollte,
und dann sehe ich sie am Buffet.

Sie nahm drei Lachshäppchen auf einmal
und sah sich um,
als hätte sie Angst,
jemand könnte sich beschweren,
weil sie drei Lachshäppchen
sich genommen hat.

Ich musste grinsen.
Ich ging hin,
stellte mich neben sie
und nahm auch drei Lachshäppchen.

So kamen wir ins Gespräch,
über das Buffet,
über die Lachshäppchen,
über die schlechten Reden,
über alles und nichts.

Sie war trocken, witzig,
nicht laut
und nicht aufdringlich.

Beim Essen saß sie zwei Tische weiter,
ich konnte mich aber nicht konzentrieren.

Nach dem Hauptgang ging ich raus
auf die Terrasse,
sie kam nach,
innerhalb von drei Minuten.

Wir rauchten zusammen,
obwohl ich seit Jahren aufgehört hatte.

Aber so eine Rauchpause mit ihr
hatte schon was.

Ich dachte, die ist anders als die anderen
und irgendwie gefällt mir das.

Um drei Uhr morgens tanzten wir
mit den Brautjungfern,
um vier Uhr lagen wir im Gras
hinter dem Hotel
und schauten in den Himmel.

Am Morgen frühstückten wir gemeinsam,
schweigend,
und ich wusste,
die Frau lässt mich nicht so einfach los.

Marie: Mein Bruder hatte mich mitgeschleppt,
ich kannte niemand außer ihm.

Irgend so eine altmodische Hochzeit
in einem Schloss bei Salzburg.

Ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen
und stürzte mich auf das Buffet
wie eine Verhungerte.

Und dann kam plötzlich
dieser Anzugtyp zu mir.

Der Anzug eine Nummer zu groß,
die Schuhe ungeputzt,
der Blick zu intensiv.

Er lachte mich aus,
weil ich mir die drei Häppchen genommen hatte
und er sich demonstrativ ebenfalls drei nahm.

Ein Komiker, dachte ich,
einer der dich nachmacht,
veräppelt.

Ich war kurz davor,
ihn anzubrüllen.

Dann lächelte er schief,
aber irgendwie sympathisch.

Wir redeten, er war Architekt.

Beim Essen suchte ich seinen Blick,
er sah weg,
schüchtern.

Nach dem Hauptgang ging er raus
und ich weiß nicht wieso,
ich folgte ihm.

Ich rauche nicht, aber er fragte,
ob wir zusammen eine rauchen sollten
und irgendwie organisierte er zwei Zigaretten.

Ich hustete wie eine Schwerkranke,
tat aber so,
als wäre das ganz normal.

Na ja, und dann hat es sich irgendwie entwickelt.

Am Morgen beim Frühstück
war ich still und müde
und dachte,
den Typen wirst du nie wieder los.

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