Sehen

Performance

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Auf der Bühne stehen
zwei wunderschöne Italienerinnen.
Sie tanzen einen Tanz
den keiner mit Namen kennt.
Dann fängt eine von ihnen
an sich zu entkleiden.
Die Männer, die an den Tischen
nahe der Bühne stehen
werden unruhig.
Einer von ihnen trinkt hektisch
sein Glas mit Sekt leer
und versucht es auf die Tischplatte
abzustellen, doch es fällt geräuschvoll hin
und zerbricht.
Das nimmt aber keiner wahr,
denn die Atmosphäre, die die drei Italienerinnen verbreiten,
ist magisch.
Die, die sich weiter auszieht,
ist die Schönste von den dreien.
Der Direktor, der die drei einfach nur
als Künstlerinnen angekündigt hatte,
schaut jetzt selbst wie gebannt
auf die Bühne,
als kenne er die Performance noch nicht.
Eine Frau aus dem Publikum stöhnt laut auf,
als kündigte sich bei ihr ein Orgasmus an,
und der Herr der bei ihr sitzt,
versucht sie zu beschwichtigen,
weil er wohl eine Störung der Vorstellung befürchtet.
Das Stöhnen wird auch leiser,
kaum mehr hörbar.

Auf der Bühne tanzen jetzt die zwei anderen Frauen
einen frivolen Tanz,
indem sie sich breitbeinig nach hinten biegen,
und ihre Hände kopfüber rückwärts sich weiter dehnen,
so daß sie fast das Bühnenparkett berühren.
Dann kommen Hände in dieser Stellung
an ihre Kleider
und ziehen sie langsam hoch –,
und man erkennt sofort,
daß sie darunter nichts anhaben.
Ein Raunen geht durch die Menge.
Meine Gedanken sind dennoch ganz woanders,
ich denke an die dritte Frau,
die inzwischen barbusig
in einem mittellangen Rock
langsam weitertanzt,
Verrenkungen vollführt
die mehr artistisch
als tänzerisch anmuten.
Ihr Busen ist voll
aber nicht besonders schön,
da ihre Brüste unterschiedlich groß sind.
Das wirkt auf mich dennoch erotisch.
Ich mag Unperfektheiten
bei schönen Frauen.
Solche sogenannten Makel sind für mich keine Makel,
sie sind eher ein Schönheitsattribut
wie ein schwarzer Schönheitsfleck
auf einem Gesicht,
aufgemalt mit einem Stift.

Die Musik der billigen Kapelle spielt
den langsamen Tango perfekt schnoddrig.
Die Musiker schielen bisweilen auf die Bühne,
sofern es die Perspektive erlaubt.
Die Zuschauer sind jetzt nur noch
ein einzelnes Wesen.
Eine geballte gepreßte Menge Glotzer
die nur auf die drei Frauen
auf der Bühne starren.
Mit mir zusammen sehen wir nun
drei entblößte weibliche Geschlechtsteile –
zwei enthaarte Vaginen
und ein nackter Busen.
Und die drei Italienerinnen verstehen dies
in eine tänzerische Performance voller Magie
zu einer Darstellung zu bringen,
die ich hier unmöglich weiter beschreiben kann.
Es ist tatsächlich unmöglich!
Das muß man gesehen haben.
Live.
Pure erotische Magie in Vollendung!

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