Sehen

Pfade

Skorpion

Nach fünfzehn langen Jahren, wohlbehütet und geschützt,
setzte ich meinen festen Platz in unserer kleinen Welt aufs Spiel.
Grob, gemein in meinen Äußerungen zog ich mich zurück,
nicht Teil mehr wollte ich sein, vom Wir, vergessen waren du und ich.
Auf ausgetretenen Pfaden lässt sich nicht gut wandeln,
dachte ich, und verließ den wohlbekannten und einst geliebten Weg.

Wie nun wieder ins Getümmel des Lebens, des Liebens, einkehren,
wie mich neu verlieben, in dieser schnellen Welt?
Damit wollte und konnte ich nicht warten, in Wischen und Klicken,
nach Gesichtern urteilend, auf ein schnelles Match, ein schnelles Gefundenwerden hoffend.
Als Geißel des World Wide Web, verloren, suchend, süchtig schmachtend,
musste ich feststellen, dass die ausgetretenen Pfade so schlecht nicht waren.

Für ein Treffen brauchte es nur zwei mutige Männer, nicht mehr warten wollend,
neugierig den anderen zu erkunden, kopfüber ins Abenteuer sich zu stürzen.
Gelassenheit heuchelnd, um Smalltalk bemüht,
wussten wir beide jedoch, was wir wirklich wollten.
Von glühenden Blicken angeheizt, mit Worten ein Feuer entfacht,
ließ sich der begehrende Körper nicht länger mehr verleugnen.

In der Stille des unbekannten Zimmers jedoch, kam die Wahrheit ans Licht,
mein Kopf spielte nach seinen eigenen Regeln, gleich wonach es meinem Körper verlangte.
So wand ich mich in Ausreden und Entschuldigungen, der schnelle Sex sei nicht meine Art,
wohl wissend, dass es mir so bisher noch nie ergangen war.
Und als ich mir im Spiegel entgegen blickte, musste ich mir schamvoll eingestehen,
dass ich mich auf dem Holzweg befand.

Es waren nicht die Pfade, die ausgelatscht waren, ich war es,
der vergessen hatte, nach rechts und links zu schauen, auch mal in mich.
Ein zu bequemes Leben, in zu bequemen Schuhen, würde ich meinen,
und doch sah ich meinen Anteil daran viel zu spät.
Nun war es an mir, mich zu besinnen, auf das,
was mir wirklich wichtig war in meinem Leben.

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