Sehen

Pubertäres Drama in sieben Akten

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Einfach nur so vor mich hin.
Am Strand entlang,
durch den Wald,
oder auf dem Rasen liegend.
Denken.

An die schönen Momente mit ihr.
Wie ich ihr am ersten Tag,
nachdem ich ihr tief in die Augen schaute,
auch noch tief in ihren Ausschnitt…
Das war was!

Oder am zweiten Tag,
als wir uns zum ersten Mal geküßt haben –
mit Mündern,
Lippen und Zungen…
Das war wieder was! –,
da fragte ich sie,
ob ich ihr –
ich saß gerade hinter ihr –,
ob ich sie nicht von hinten –
nein,
nicht was ihr jetzt denkt,
nein,
ob ich sie –
also ihre Titten –
von hinten anfassen dürfe,
also unter ihrer Bluse –
und unter ihrem Büstenhalter.

Ja, sagte sie.
Und ich wollte sie gar nicht mehr loslassen –
die Titten.
So schön weich und warm waren die.
Ich wußte das bis dahin gar nicht,
wie weich und warm Titten sind.
Das war gleich nach dem Mittagessen.

Und gegen Abend mußte ich dann davon ablassen,
denn das Abendessen rief
und wir beide waren hungrig geworden.
Ich vom Anfassen-und-nicht-Loslassen
und sie vom Gewähren und Stillhalten.

Am dritten Tag dann sollte ich sie endlich mal nackt sehen.
Wir gingen an den Strand
und ich zog mich aus.
Sie lachte scherzend.
Ich forderte sie auf es mir gleich zu tun.
Doch sie zierte sich
und behielt zunächst alles an.Ich möge mich bitte umdrehen,
hauchte sie mir unhörbar in Richtung meiner Ohren.
Doch ihre parallele Zeichensprache verstand ich
und drehte mich um.

Als sie mir dann erlaubte mich umzudrehen,
wollte ich meinen Augen nicht trauen!
Ich sah das schönste nackte Mädchen von 14 Jahren vor mir:
Und das war meine erste Freundin –
meine große Liebe!

Sie war so wunderschön,
daß ich gar nicht ihre dicken Beine wahrgenommen hatte.
Das besprach ich beim Mittagessen
mit meinem besten Freund,
der mich danach befragte.

Naja, nach ihren dicken Beinen,
die ihm schon längst aufgefallen waren,
und ob ich die leiden könne.
Klar sagte ich,
ich kann sogar ihre dicken Beine leiden,
denn ansonsten sei sie ja wunderschön.

Und nackt erstmal, sagte ich –
du müßtest sie erstmal nackt sehen,
dann würdest du mir recht geben.
Ok, sagte er,
das will ich gerne tun.
Heute Abend?

Aber dann fiel mir ein,
daß das eine saublöde Idee war von mir.
Ihn,
sie nackt sehen lassen.
Sie wäre mit Sicherheit pikiert von diesem Vorschlag.
Also sagte ich am späten Nachmittag meinem Freund ab.

Klar war dann ER pikiert.
Aber was soll´s
man kann´s nicht allen recht machen.

Am vierten Tag, wollte ich dann auf´s Ganze gehen –
wenn ihr versteht was ich meine.
Ich flüsterte ihr meine Erwartung ins Ohr
und sie schaute mich daraufhin verdutzt an.

So früh schon? – war in Ihrem Gesicht geschrieben!
Sie hätte Einfühlsameres von mir erwartet,
war ihre geflüsterte Antwort.
Doch ich verstand sie nicht,
denn ich bin davon ausgegangen,
daß sie es genauso erwartet hatte wie ich.

Wir einigten uns dann zu einem Aufschub für den sechsten Tag.
Doch am sechsten Tag ging der Schulausflug schon zuende
und alle Schüler fuhren frühmorgens
mit Bus und Lehrern wieder nach Hause.

Am siebten Tag hab ich nur noch geheult.
Denn Tags zuvor hatte sie mit mir Schluß gemacht
und ging schon mit einem anderen.

Zugriffe gesamt: 59