Sehen

Romantischen Sex soll es nicht geben?

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Ich höre mich immer wieder daherkommen.
Ja, und dann stehe ich da.

Eine Freundin hat mir im vorigen Jahr gesagt,
romantischen Sex gäbe es nicht.
Oh, da war ich aber ärgerlich geworden.
Ich sagte ihr das stimme ganz und gar nicht.
Und ich würde es ihr beweisen
in Form einer Geschichte
die ich zu Papier bringen werde.
Sie werde dann schon sehen.

Ich muß an dieser Stelle hinzufügen,
daß ich sie als eine Frau kennenlernte,
deren Sexualität für meine damaligen bescheidenen Begriffe –
mich umgehauen hat.
Also damals.

Wie würdet ihr sagen –
wenn ich sagte,
sie kam mir so vor,
als hätte sie –
in sexueller Hinsicht –
keinerlei Skrupel.
Als Frau!

Nun denn, demungeachtet war ich nicht nur dreitausend Kilometer zurück –
in dieser Hinsicht –,
sondern hatte,
sexuell gesehen noch allerhand Flausen im Kopf.

Immer (innerlich) stolz auf meine Promiskuität
(ich hatte als junger Mann so manches Mädel rumgekriegt) –,
war ich dann in einem Ehehafen vor Anker gegangen
und von da an ein herztreuer Hund – geworden.
So.

– Zurück zu ihr: Ich war nicht nur sehr beeindruckt von ihr
und ihrer Auffassung,
ihrem Enthusiasmus
und ihrer Leidenschaft für Sex,
sondern habe auch so manches von ihr gelernt.
In dieser Hinsicht.

Nein nein! Nicht was ihr jetzt denkt.
Es gab keinerlei körperliche Tätlichkeiten zwischen uns.
Das haben wir uns so ausgemacht.
(keine weiteren Kommentare!) –

Die Jahre vergingen
und unsere Verschiedenheiten,
zusammen mit den Übereinstimmungen
(in dieser Hinsicht)
haben uns zusammengehalten.
Freundschaftlich,
platonisch.

Was unsere Verschiedenheiten in Sachen Sex betrifft,
so setzten wir uns auch schreibend damit auseinander.

Als Autorin war sie,
im Vergleich zu mir,
sehr direkt,
nahm keinerlei Blatt vorm Mund
und scheute auch keine drastischen Ausdrücke.

Ihre Drastik stach mit einem ihr eigenen Stil
wunderbar heiß und laut hervor.
Da konnte ich nicht mit.

Mein Stil war dagegen still,
leicht
und mit einem warmen Windhauch von Erotik.
So.

– Zurück zu meinem Text den ich ihr vorlegte:
Eine erotische Geschichte aus der Rokoko-Zeit.

Ihre Antwort: Das sei ja ganz schön und gut,
und inhaltlich schon irgendwie Romantik drin,
aber keine Beweisführung für „romantischen Sex“.

Ich müsse romantischen Sex schon beschreiben können –
also den reinen Vorgang des Aktes…

Wenn das dann beweisführend überzeuge…
ja dann…

Ja, und das werde ich in Kürze tun –
eine Beweisführung für romantischen Sex liefern –,
in literarischer Form.

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