Sehen
Rückblick
Da sitze ich
am Schreibtisch.
Denke nach
und schaue zurück.
Auf das was war.
Auf die „Lieben“
die waren,
was sie mir waren –;
und philosophiere…
Was sie –
diese „Lieben“ –
wohl für SIE waren…
Welche Wahrnehmung hatte ich
bei der einen,
bei der anderen.
Bei dieser,
bei jener.
Was war ich ihnen –
allen?
Wie haben sie gefühlt?
Was haben sie gedacht,
was haben sie
für Vorstellungen, Wünsche,
Illusionen gehabt?
Ich weiß noch genau,
da war Irmi,
die mir nach einem Besuch
bei mir
mit ihrem damaligen Freund Mario
auf meinem Türpfosten
in der Küche
„I love you“ geschrieben hat.
Und das habe ich
erst ein paar Wochen später entdeckt –
und ich mußte viel zurückdenken,
überlegen,
WER das wohl geschrieben hatte!
Ich hab´s dann
durch detektivisches Ausschlußverfahren
herausgekriegt.
Es konnte nur Irmi gewesen sein.
War ganz klar.
Aber ich war völlig perplex.
Niemals hätte ich das gedacht.
Daß sich diese Irmi,
die mich kaum kannte,
so sehr in mich…
Ja, in mich!
Klar fühlte ich mich erstmal geschmeichelt.
Meiner Eitelkeit tat es wohl.
Aber dann hab ich
noch weiter drüber nachgedacht.
Und kam von diesem Gedanken
noch auf andere:
Ich dachte dann
an so manches Mädchen,
an so manche junge Frau
mit der ich mal was gehabt habe –
und wie sie wohl alle
gefühlsmäßig getickt haben –
mir gegenüber.
Wie ihre Gedanken waren.
Ich weiß von einigen
die wohl sehr in mich verliebt waren.
So manche hätte mich liebend gern
als festen Freund und Partner gehabt.
Und nicht gekriegt –
weil ich es nicht wollte.
Aus verschiedenen Gründen.
Es waren ja die 70er Jahre.
Keiner sprach von „freier Liebe“ –
aber die meisten haben´s praktiziert.
Jedenfalls in den Kreisen
in denen ich verkehrte.
Musiker, Künstlertypen,
sogenannte „Freaks“ –, später Punks.
Rockkonzertpilger.
Fast jeder meiner Kumpels
hatte eine feste Freundin,
und fast jeder hatte was nebenherlaufen.
Genau wie ich.
Und heute frag ich mich
wie diese Nebenherlaufenden
so in Wirklichkeit waren.
Und nicht wie ich sie damals
wahrgenommen habe.
Das muß was völlig anderes sein.
Die meisten – was mich betrifft –
hatten keinen festen Freund,
waren gerade solo.
Nur wenige hatten auch einen festen.
Ja, und warum habe ich damals
so oberflächlich mit ihnen rumgemacht?
Da war kaum ein Tiefgang
der Gefühle dabei.
Und doch habe ich mich innerlich
danach gesehnt,
daß da mehr sein sollte
als nur das sexuelle Erleben.
Ja, es ging wohl
von beiden Seiten aus so.
Das Ausprobieren,
die Lust auf einen Anderen,
oder auf eine Andere war´s.
Und es war nunmal auch
nichts Besonderes –
so zu handeln.
So drauf zu sein.
Andere taten´s ja auch.
In unseren Kreisen.
Irgendwie habe ich sie alle geliebt –
auf meine Art.
Ich habe Sehnsucht.