Sehen
Schönheit ist relativ
Vielleicht bist du nicht die Schönste,
deine Haut ein wenig blass, wie Mondlicht, das durch schmutzige Fenster fällt,
das Haar ein wirres Nest, als hätt’ der Wind es durcheinandergefickt,
an den Hüften klebt der Appetit – Fleisch, das sagt: „Ich hab gelebt, verdammt.“
Kein Püppchen, kein poliertes Ding aus Magazinen,
sondern echt, roh, wie ein Schnaps, der in der Kehle brennt.
Doch in deinem Blick, da lodert was,
eine sexuelle Energie, wie ein Blitz, der in die Eingeweide fährt.
Selten hab ich sowas gesehen – ein Funkeln,
als würd’ die Welt in deinen Augen in Flammen aufgehn.
Ein Hunger, unstillbar, nach Lust,
nach dem salzigen Geschmack von Haut,
nach Fleisch, das bebt, nach Schweiß, der klebt.
Eine weibliche Gier, die nicht fragt, sondern nimmt,
die sich windet, die schreit, die lebt.
Du willst Hände, die dich packen,
nicht zögern, nicht zärtlich streicheln, sondern zupacken,
dich aufs Bett werfen, als wär’s ein Schlachtfeld.
Einen Kerl, der nicht um Erlaubnis bettelt,
sondern sich nimmt, was er glaubt, dass ihm zusteht.
Der dich umdreht, dich auf alle Viere zwingt,
wie eine Hündin, wild und frei,
deine Haare am Schopf gepackt,
und einen Ritt beginnt, der die Wände erzittern lässt.
Kein sanfter Tanz, kein Liebeslied –
ein Sturm, ein Krieg, ein verdammter Rausch.
Das alles les ich in deiner Pupille,
dein Blick ist ein offenes Buch,
kein Schundroman, sondern ein Schrei,
geschrieben in Blut und Sehnsucht.
Deine Seele liegt da drin, nackt,
wie ein Barfly, der sein letztes Bier kippt,
und trotzdem nach mehr verlangt.
Du bist nicht die Schönste, vielleicht,
aber du bist die, die mich trifft,
wie ein Faustschlag in die Magengrube.
Ich seh dich an, und die Welt kann mich mal.
Die Nächte mit dir sind dreckig, laut,
wie ein Motor, der auf Hochtouren heult.
Kein Rosengarten, kein Scheißdichterkram,
sondern Beton, Schweiß und rohes Verlangen.
Du bist das Gedicht, das ich nicht schreiben kann,
weil Worte zu schwach sind für das,
was du in mir auslöst.
Ein Funke, der alles in Brand steckt,
und ich will in den Flammen verglühn.
Vielleicht bist du nicht die Schönste,
aber du bist die, die mich sieht,
die mich spürt, die mich will,
wie ich bin – kaputt, rau, ein Wrack.
Und in deinem Blick, da find ich’s,
das Leben, das mich nicht loslässt,
das mich packt und schüttelt,
bis ich wieder atme, wieder will, wieder bin.