Sehen

Schreie

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Nein nein,
es sind nicht die Fingernägel
die ich ihm ins Fleisch drücke
bis sich blutige Striemen zeigen,
seine Schreie haben eine andere Ursache.

Er liegt auf mir und müht sich ab.
Es ist heiß –
drinnen und draußen.
Der Juli auf Malta
ist einfach heiß.
Auch ist es schon dunkel,
aber immer noch heiß.
In der Hitze der Nacht also
müht er sich ab.

Er ist stark, muskulös
und sein ganzer Körper schwitzt.
Beide sind wir nackt
und das große alte Messingbett
in das wir liegen,
hat nur ein dünnes weißes Leinenlaken
über der Matratze.
Sonst ist nichts.

Das Zimmer riecht nach gekälkten Wänden
die feucht sind.
Und das sind sie auch.
Licht kommt nur von einer Kerze
die in einem rostigen Kerzenständer steckt,
den uns die Zimmerwirtin gebracht hat.

Aber das macht uns alles nichts aus,
uns geht es nur um unsere Leidenschaft.
Die Leidenschaft
für den Körper des anderen.

Ich liebe Allessandro nicht,
ich will nur mit ihm schlafen,
ich will nur, daß er alles mit mir macht,
was ich mir wünsche.
Und er kennt meine Wünsche.

Es muß animalischer Sex sein.
Nur so kann ich zum Höhepunkt kommen.
Nur keine Gefühlsduseleien,
keine sanften Liebesbeteuerungen
die in Ohren gesäuselt werden,
keine zärtlichen Küsse,
keine Standartstellungen
wie in billigen Hollywoodfilmen.
Keine Geziertheiten.

Ich brauche Sex den ich heftig spüren kann,
mit Schlägen auf den Arsch
und anderswo,
mit Bissen ins wollüstige Fleisch,
mit verbalen Anstachelungen
in Form von schweinischen Titulierungen
und schweinischen Herausforderungen.

Mit schamlosen Attacken
ohne jegliche Skrupel.
Ja, es muß weh tun,
bei mir und bei ihm.
Und das tut es auch.

Aber jetzt, seine Schreie,
sind Orgasmus-Schreie.
Jedesmal wenn er kurz davor ist,
beginnt er mit einem lauten Stöhnen
das sich steigert,
immer mehr steigert –,
und bis zu Beginn seines Höhepunktes
er Schreie ausstößt,
die ich bei einem Mann
noch niemals erlebt habe.

Ich kenne das sonst nur von mir
und von einigen wenigen Frauen,
mit denen ich geschlafen habe.

Allessandros Schreie
rufen zum Ende hin meinen Namen:
„Magda!“

Und dann ebbt es langsam ab
und er sinkt wieder in die reale Welt –
unter oder auf mir liegend –
je nachdem.

Nach einer Weile küßt er meinen gesamten Körper
und in alle meine Körperöffnungen
küßt er mich,
steckt tief seine Finger –
und dann seine Zunge rein,
und tut so,
als wolle er von neuem beginnen.

Aber es geht nicht so schnell.

Und dann komme ich:
nach seinem Orgasmus
bin ich soweit –
auf der Höhe dessen,
wo ich meinen Höhepunkt erreiche –
und den erreiche ich mit Allessandro
so gut und so schnell
wie mit kaum einem anderen.

Meine Schreie fordern Schläge
die er mir dabei gibt,
und es ist umso gewaltiger –
zu kommen –,
anzukommen –
und den Höhepunkt schreiend zu erleben.

Gestern – die ganze Nacht hindurch –
haben wir es sieben Mal getan.
Sieben Mal.

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