Sehen
Seelenrauschen
Es gibt sie, die Momente tiefer Resignation,
die Unbefriedigung eines Lebenssüchtlings.
Was soll sich schon groß ändern,
was kann ICH ändern?
Gefangen in Konventionen,
in „Muss“ und „Soll“.
Der Hunger nach Gleichgesinnung
so übermächtig, ebenso die Angst vor Sättigung.
Was, wenn der erste Rausch gestillt,
die Euphorie in einem niederreißendem
Orgasmus endet?
Was, wenn nach dem Höhenflug
der Absturz kommt?
Ausgespuckt wie ein sehniges Stück Fleisch,
ungenießbar. Mitleid suchend,
wimmernd, stinkend,
in der eigenen Kotze suhlend,
zusammen gekauert vor der Welt
der anderen, von denen es so viele gibt.
Und hier mich aufzulesen,
abzukratzen wie alten Kaugummi vom Gehsteig,
mich immer wieder aufzufangen,
seelennackt und allein, auf kaltem Entzug.
Die schwerste aller Übungen.
Gefangen im Licht, einer Motte gleich.
Verloren, verängstigt in der Finsternis.
Doch dann, im satten Dunkel, in der
schwärzesten meiner Nächte,
spüre ich deine Hand, ein warmer
Hauch, der meine Haut berührt,
deine Lippen, fest zum Kuss auf die meinen
gepresst, lassen mich allen Schmerz vergessen,
jeden Zweifel, der gerade noch mein Hirn
durchwanderte, voller Pein.
Dein Körper, so nah, so weich, so stark,
ansteckende, wollüstige Hitze,
die in mir die Leidenschaft entfacht.
Und so brenne ich im Spiel zwischen
Licht und Schatten, verzehrende Glut.
Frisch und strahlend wie ein Phönix
tauche in meiner Welt ich wieder auf,
bereit für weitere Neulandexkursionen.
Dem wilden Branden und Tosen
der Untiefen meines Emotionszentrum
gnadenlos ergeben, höre ich nicht
richtig hin, was solchen Lärm
in mir verursacht und muss am Ende
schmerzlich fühlen
wie es Instinktverachtern immerzu ergeht.
Wohl wissend, dass mein Tanz auf dem Vulkan,
am Rande des Abgrunds, mich abermals in
gefährlichen Untiefen versinken lässt.
Doch was wäre ich, ohne dieses Fühlen,
dieses Berührenlassen, ohne meine Suchsucht
und Gefundenwerdenwollens?!
Geräuschlos …
Spurenlos …
Seelenlos ...
© C. K. Februar 2013, überarbeitet 2025
Es gibt Momente tiefster Resignation,
Ein Leben, das nach Sättigung dürstet sehr,
Was kann ich ändern, in dieser Situation,
Gefangen in „Muss“ und „Soll“ – so schwer.
Der Hunger nach Gleichgesinnung wächst,
Doch Angst vor Sättigung hält mich fest,
Was, wenn der Rausch nur kurz mich erregt,
Und Absturz mich dann niederlegt, im Rest?
Ausgestoßen, wie ein Stück Fleisch im Wind,
Suche Mitleid, wimmernd, in der Nacht,
In eigener Kotze, seelisch blind,
Vor der Welt, die so viel von mir entfacht.
Doch dann, im Dunkel, spür’ ich deine Hand,
Ein warmer Hauch, der meine Haut berührt,
Dein Atem, sanft, wie ein Versprechen,
Das meine Sehnsucht tief in mir verführt.
Deine Lippen, süß und unergründlich,
Verleiten mich in eine Welt voll Lust,
Ein Kuss, so heiß, so unvergesslich,
Entfacht in mir die Leidenschaft, die brennt und frisst.
Dein Körper, nah, so weich und stark,
Ein Spiel aus Schatten, Licht und Glut,
In deinem Blick, da liegt mein Mark,
Und alles, was ich will, ist nur dein Mut.
Wie Phönix steige ich wieder auf,
Bereit für neue Flüge, wild und frei,
Im Tosen meiner Gefühle lauf,
Und höre nicht, was Lärm in mir dabei.
Was wäre ich, ohne dieses Fühlen,
Dieses Berühren, Suchen, tief im Sein,
Ohne das Verlangen, mich zu enthüllen,
Wär’ ich nur Staub im Sonnenschein.
Doch jetzt, im Rausch der Lust vereint,
Vergess’ ich Schmerz und alte Pein,
Denn in deinen Armen, heiß und gemein,
Fühl’ ich mich lebendig, frei, und rein.