Sehen

Sich dem Leben stellen

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Warum fällt es so schwer,
sich dem Leben zu stellen?
Warum denkt man nicht klar
darüber nach, was ansteht
im Leben?
Für unser eigenes Leben,
für das Leben das wir führen wollen
– im Kreis unserer Liebsten.
Oder im Kreis derer,
die wir uns wünschen
für unser Leben.
Warum geben wir uns solche Mühe,
all das zu vermeiden,
was das Wichtigste ist
und oft auch das Naheliegendste?
(oder auch Nebensächlicheres –
wie sich gesund zu ernähren,
Sport zu treiben,
wenig Alkohol, wenig Nikotin konsumieren…
und … und…)
Um stattdessen etwas anderes zu tun,
etwas, was uns im Hier und Jetzt
gerade Spaß macht,
oder um etwas zu tun,
was völlig ohne Belang ist,
aber was von dem ablenkt,
was eigentlich ansteht, für uns.
Ist das nicht ein Verhalten
wie das eines Kindes?
Das immer nur das tut
was ihm gefällt –,
außer, wenn die Erwachsenen ihm etwas anderes auftragen?
Das Kind mit seinem Urvertrauen braucht sich keine Gedanken
und Sorgen für sein Leben zu machen.
– Für Erwachsene aber,
bedeutet sich dem Leben zu stellen,
Verantwortung zu übernehmen,
für sich selbst und auch für andere.

Sich dem Leben zu stellen bedeutet,
scharf und ernsthaft nachzudenken,
über das was man tut,
über das, was sich tut,
was ansteht und was getan werden muß –;
gut zu beobachten und Schlüsse zu ziehen,
um dann genau danach zu tun und zu handeln.
Für sich und seine Liebsten.
Sich nicht mit leichteren Dingen abzulenken,
weil sie uns glauben machen leichter zu sein,
als die Schwere, die vor uns liegt
und die es zu bewältigen gilt –,
ist, sich einfach dem Leben zu stellen.
– Warum aber,
stellt man sich dem Leben erst dann,
wenn uns das Leben und die Umstände dazu zwingen?
Ist das nicht eine Verweigerung
zum Erwachsenwerden?

Dies alles gilt natürlich in erster Linie
für das Hier & Jetzt
im 21. Jahrhundert
des sogenannten westlichen Kulturkreises –
Europa, Amerika, Australien.
In anderen Kulturkreisen und in vergangenen Zeiten,
in vergangenen Jahrhunderten,
ist dieser Aspekt „Sich dem Leben stellen“
anders gewichtet.
Andere Lebensbedingungen,
andere Lebensauffassungen,
andere Lebensformen,
andere Lebensphilosophien sind hierbei zugrunde zu legen.
Und dies alles gilt ebenso
in sogenannten Friedenszeiten.
In Zeiten eines Krieges sieht das alles schon ganz anders aus.
Da steht der Aspekt „Sich dem Leben stellen“ auch –
ganz anders da.All die Menschen, jung oder alt,
sind, oder waren – anders als wie wir
im Hier & Jetzt gezwungen worden
sich dem Leben zu stellen.
Tausenderlei Geschichten hierzu sind gewesen,
erzählt, geschrieben, ja sogar verfilmt worden.
Hören wir also hin,
schauen wir an,
wir können profitieren,
wir können lernen davon.
Vielleicht fällt es uns dann leichter
sich dem Leben zu stellen,
vielleicht verweigern wir dann weniger
das Erwachsenenwerden.

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