Sehen
So nagt der Zahn der Zeit
Da liege ich also,
keuchend auf einer knackigen jungen Schnepfe,
kaum zwanzig Lenze alt,
Haut wie frisch gebügelte Seide,
Titten, die sich mir entgegenrecken
wie zwei freche Melonen auf dem Wochenmarkt.
Sie stöhnt mir was von
„Härter, Opa, gib’s mir richtig!“,
und ich, der einstige Hengst,
der in den Neunzigern ganze Diskotheken leer gefickt hat,
rackere mich ab
wie ein alter Trabi im fünften Gang bergauf.
Rein, raus, rein, raus –
der Rhythmus sitzt noch, das schon.
Doch plötzlich macht es „Knack“.
Nicht bei ihr, nein, in mir.
Irgendwo zwischen Lendenwirbel vier und fünf,
da knackt es so verdächtig,
als hätte jemand mit dem Hammer auf eine Walnuss gehauen.
Mein Rücken sendet ein Telegramm:
„Stopp die Maschine, Kollege, wir streiken.“
Ich denke: Oh Scheiße.
Bin ich schon so alt?
Früher war mein Kolben ein zuverlässiger V8,
heute eher ein rostiger Zweitakter,
der nur noch mit Choke anspringt.
Die Kleine unter mir merkt natürlich nix,
die ist voll auf Ecstasy und Eigenlob,
dreht sich schon die nächste Line auf meinem schlaffen Bauch.
Ich versuche, das Knacken zu ignorieren,
stoße tapfer weiter,
aber jetzt knackt es auch im Knie.
Dann im Nacken.
Sogar mein Schwanz scheint zu knacken,
als wollte er sagen:
„Alter, wir hatten eine gute Zeit,
aber jetzt ist Feierabend.“
Ich stelle mir vor,
wie ich morgen beim Urologen sitze,
neben lauter anderen Ex-Bullen,
die alle so tun, als läsen sie „Focus“,
dabei starren wir nur auf den Boden
und denken dasselbe:
Früher haben wir die Weiber zum Schreien gebracht,
heute schreit höchstens die Prostata.
Die Kleine kommt, natürlich kommt sie,
die kommen immer, das ist ja das Perfide.
Sie kreischt „Jaaa, du geiler alter Bock!“
und ich lächle gequält,
weil ich gerade merke,
dass ich nicht mehr komme,
sondern nur noch so tue,
als wäre ich noch dabei.
In Wahrheit liege ich da
wie ein kaputter Roboter,
dessen Batterie leer ist,
und der nur noch mechanisch rammelt,
weil das Programm es so vorsieht.
Irgendwann rolle ich von ihr runter,
der Rücken jetzt offiziell im Streik,
und starre an die Decke.
Sie zündet sich eine Kippe an,
bläst mir den Rauch ins Gesicht
und sagt:
„War geil, Opa.
Nächstes Mal bring ich meine Freundin mit,
die steht auch auf erfahrene Männer.“
Ich nicke matt.
Erfahren. Klar.
Erfahren im Kaputtgehen.
Der Zahn der Zeit hat zugeschlagen.
Nicht mit Säbel,
sondern mit kleinen, fiesen Beißerchen,
die sich heimlich, still und leise
durch den ganzen Kerl fressen.
Eben noch der König der Matratze,
jetzt ein Wrack,
das schon beim Gedanken an Doggy
die Bandscheibe grüßen lässt.
Ich taste nach der Fernbedienung.
Vielleicht läuft ja irgendwo ein alter Heimatfilm.
Da wussten die Kerle noch,
wie man steht, ohne dass was knackt.
Und wenn’s hochkommt,
dann wenigstens mit Stolz
und ohne Ibuprofen danach.
Bleibt sauber, moralisch und anständig, liebe Freunde.
Und wenn ihr mal wieder auf einer jungen Göttin liegt
und es in euch knackt –
lächelt einfach.
Das ist nur der Zahn der Zeit,
der euch sagt:
Willkommen im Club, Alterchen.