Sehen

Sommer Sauna

Claudia Carl

Er steht unter der Dusche, hält seinen steifen Schwanz mit beiden Händen und wichst, langsam und zart. Es wirkt, als liege der Schwanz auf einem Tablett. Als trage er ihn auf Händen. Die Härte scheint stärker zu werden und ich meine, an der Spitze einen weißen Tropfen zu sehen.
Aber wir sind ja nicht allein.
Ich hätte nichts dagegen gehabt, ihm weiter zuzusehen. Es ist schön, wie er die Augen schließt bei 30 Grad und Sonne an diesem Nachmittag. Ich habe ihn heute schon von allen Seiten betrachten können, wie einen Feiertagsbraten. Er dreht und wendet sich vor mir. Dann steht er da, das Gesicht zur Sonne, die Augen geschlossen, ganz gerade aufgerichtet, die Arme an den Seiten herunterhängend.
Dieses Stehen und Drehen ist entweder einfach der Versuch, von allen Seiten braun zu werden. Oder aber es ist ein Auftritt. Er hat dunkle Haare, die feucht sind vom Baden und in einen kleinen Zopf gebunden. Er wähnt sich auf einer Bühne, auf der er seine Vorzüge präsentiert. Von vorne mit langem Schwanz. Oder er zeigt seinen Arsch, der knackig ist und in der Ritze haarig.
Ich gebe zu, dass ich ihn anschaue. Er und sein Freund fläzen sich auf ihren Liegen genau vor mir auf der anderen Seite des kleinen Beckens im Saunahof. Der Freund fällt mir als erstes auf. Er liegt auf der Liege mit den Beinen auf beiden Seiten auf dem Boden stehend. Sein Schwanz hängt in der Mitte, quasi eingerahmt. Wer könnte da woanders hinschauen. Pünktlich um drei Minuten vor der vollen Stunde stehen beide auf und gehen hinein, denn drinnen in der Sauna ist dann Aufguss. Feucht vor Schweiß kommen sie wieder, springen unter die Dusche.
Ich gebe zu, dass ich alles beobachte, was die beiden tun, während ich gleichzeitig so tue, als wäre ich in meine Zeitschrift vertieft.
Ich sehe auch die anderen Männer, die angekommen sind. Ein fein wirkender Herr, der aber bei genauerem Hinsehen schielt. Ein paar ältere. Ein hundertprozentig schwuler, sehr zart. Ein sehr Dicker.
Ich sehe auch die Frauen.
Eine sehr schlanke, etwas ältere, die anfangs auf der Liege neben meinem sagen wir mal Verehrer liegt. Die aber seine aufgeladene Aura nicht mag. Sie wechselt den Liegestuhl, ans andere Ende des Hofes.
Und eine Dicke. Aber wirklich dick. Sie hat eine kleine zarte Stimme. „Darf ich hier noch meinen Liegestuhl hinstellen?“ „Na klar“, sage ich. Aber genau genommen…na ja. Sie hat lange blonde Haare, ein paar Tattoos. Von hinten sieht sie gar nicht schlecht aus, aber ihr Bauch. Den gibt es quasi mehrfach, er hängt in wirklich riesigen Fettwalzen vor ihr. Sie geht ins kalte Becken und sie füllt es praktisch aus. Bei aller Liebe zu unterschiedlichen Körpern, da muss ich wegschauen.
Sie geht auffallend früh. Ziemlich bald, nachdem mein, oder unser, oder ihr Verehrer unter der Außendusche gewichst hat. Vielleicht hat auch sie die geile Aura dieses Mannes irritiert, die sich auf dem Hof ausbreitete. Sein Stehen und Drehen. Seine Ortswechsel. Sein zwar nicht immer steifer, aber immer dominanter Schwanz.
Er stört die Oase, die dieser Saunahof im Sommer ist. Nur vereinzelte Besucher begehen die Verrückheit, bei 30 Grad in die Sauna zu gehen. Die Liegestühle sind frei verfügbar, das eiskalte Becken ist meist leer. Die kalte Dusche ist immer frei. Die Außensauna hat freie Plätze. Man liegt auf einer Liege und schaut die Baumwipfel an, die hinter den Mauern des kleinen Hofes stehen und sich im warmen Wind wiegen. Aus dem dortigen Freibad dringen diese Geräusche, bei denen man jede Sekunde froh ist, dass man nicht mittendrin ist. Kinderschreien, Kinderjauchzen, Stimmen aller Art, Wasserplatschen.
Hier drinnen im Saunahof ist das Paradies. Kein Kind, kein Geschrei, hübsche Männerärsche. Aber auch das Paradies hat seinen Preis.
Die Frauensauna als Alternative? Nein, wirklich nicht. Dort sind so viele alte, fette, hässliche Frauen, dass einem Angst und bange wird. Vielleicht sieht man auch schon so aus. Ein bisschen vielleicht. Vielleicht bald. Vielleicht irgendwann.
Wichs ruhig, Junge.

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