Sehen

Sommergenuss

Claudia Carl

Im Sommer trägt sie keinen Slip.
Wenn ein lauer Wind weht,
die Sonnenstrahlen auf ihre nackten Beine scheinen
und Vögel ihr schöne Dinge ins Ohr zwitschern,
hebt sie gerne den Rock
und setzt sich mit der nackten Haut
auf das warme Holz.

So sitzt sie im Park
auf einer Bank,
lehnt sich zurück
und ist eins mit der Natur.

Vor ihr fließt der Fluss
und trägt in gleichmäßigem Rhythmus
Blütenblätter vorbei.

Sonne und Wind streicheln sie
und die versteckte Nacktheit
fühlt sich gut an.

Wenn jemand direkt vor ihr vorbeigeht,
ist es aufregend,
obwohl derjenige nichts Ungewöhnliches sehen kann.

Wenn weit und breit niemand ist,
hebt sie auch kurz den Rocksaum,
lässt sich von Wind und Sonne
zwischen den Beinen streicheln.

Das Gefühl erinnert sie an früher.

Abhalten, sagten früher ihre Eltern dazu,
und dann schob der Vater seine Hände
unter ihre Knie,
ihre Unterhose hatte er schon vorher
bis zu den Füßen fallen lassen,
und dann spürte sie die Luft
an der zarten Haut
an ihrer versteckten Stelle.

Entweder sie war eiskalt,
weil es ein Winterspaziergang war,
oder sie war warm.

Der Vater hielt sie vielleicht einen Meter
über den Boden
und sie genoss das unverhoffte Freiheitsgefühl.

Sie liebt ihren heimlichen Exhibitionismus
am Spazierweg,
die Aufregung,
dass jemand ihr etwas ansehen könnte.

Der Mann, der dort hinten geht,
wird es nicht bemerken.
Die Frau auf dem Fahrrad
ist schon weit genug weg.

Sie spürt das warme Holz
an ihren Lippen,
ein Streicheln,
das niemand bemerkt.

Und sie fragt sich,
wie es wohl wäre,
wenn sie mal wieder
mit einem Mann
die freie Natur genießen würde.

Wie sie vielleicht an einem Tag,
an dem Regen angesagt wurde
und dann doch die Sonne rauskam,
einem Tag,
an dem noch wenige Leute unterwegs wären,
mit so wenig Kleidung wie möglich,
hierherkämen.

Wie sie auf seiner Hand sitzen würde,
bedeckt von ihrem Rock.

Wie sein Finger in ihr Feuchtigkeit produzieren würde,
die sofort von dem warmen Holz der Bank
aufgesogen würde.

Wie sie unter seiner Shorts
aus dünnem Stoff
eine Bewegung sehen würde,
wie sich etwas abzeichnen würde.

Die wenigen Spaziergänger
würden einen irritierten Blick darauf werfen,
aber nichts sagen,
sondern schnell weitergehen.

Irgendwann käme der Moment,
in dem sie mehr wollte.

Es wäre nur eine kurze Bewegung,
ein Aufstehen,
ein sich Umdrehen,
und spüren,
wie er den Rock hebt.

Er würde nicht lange brauchen,
um die Feuchtigkeit in ihr zu vervielfachen,
sie würde das Pulsieren spüren.

Dann würden beide wieder dasitzen,
auf der warmen Bank,
sie mit dem warmen Holz unter sich,
das langsam feucht würde.

Er zurückgelehnt mit entspannt geschlossenen Augen.

Langsam würde die Sonne sich durchsetzen
und es würde heiß werden
und viele Menschen an ihnen vorübergehen
auf der Suche nach sommerlichen Genüssen.

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