Sehen
Sonntagsgewitter
Ich muß euch davon erzählen.
Es war letzten Monat,
im August.
Ich glaube es war sogar ein Sonntag.
Ich war mit Iris zusammen
in meinem Blockhaus
oben auf dem Berg.
Direkt am Waldrand.
Es war einfach klasse.
Ich bin mit Iris ja schon
eine ganze Weile zusammen
und wir haben auch schon
so einiges gemacht –
ja, miteinander geschlafen,
Amore –, Liebe gemacht…
Ich will jetzt nicht
die ganze Palette
an Ordinär-Begriffe dazuzählen.
Ihr wißt schon.
Wir waren eine ganze Woche dort,
haben uns mit Lebensmitteln
und Getränken ordentlich eingedeckt
und wir waren tatsächlich
die ganze Zeit über allein!
Keine Menschenseele
hat sich dort oben verloren
oder verlaufen.
Absolut Natur, absolute Stille.
Nur Naturlaute, Vögel
und das Rauschen der Bäume.
Einfach paradiesisch.
Aber jetzt erzähl ich euch was
noch paradiesischer war.
Ja, das gibt es.
Ich bleibe beim Thema
„Liebe machen“…
Und ich sag jetzt aus romantischer Ehrfurcht
„Liebe machen“
und benutze keine anderen Begriffe –,
weil es so erhaben,
so… ich weiß einfach keinen entsprechend würdigen Ausdruck –
es war einfach… –
Also hört: Wie gesagt,
ich glaube es war Sonntag gewesen.
Den ganzen Tag über
war es schon sehr heiß und schwül.
Die Luft – selbst da oben am Waldrand
war einfach sowas von schwül-warm,
daß wir uns –
ja, nackt ausgezogen haben
und so den ganzen Tag umherliefen,
uns Mittags im Schatten der Bäume hinlegten
und es uns gut gehen ließen.
Doch dann, gegen Abend,
braute sich ein Gewitter zusammen…
Die Helle des Tages
wurde dunkler und dunkler,
die Wolken wurden immer dunkler –
ja fast schwarz.
Die Schwüle nahm sowas von zu…
und wir standen vorm Eingang des Blockhauses
und setzten uns dann davor
auf die Holzbank
und warteten bis der Regen einsetzte.
Wir waren noch immer nackt.
Und dann plötzlich –
brach das Gewitter los –
und ob ihr´s glaubt oder nicht:
Iris und ich fingen an zu schreien!
Vor lauter Faszination,
wir waren so überwältigt
von dem Effekt,
den der einsetzende heftige Platzregen erzielt hat,
mit Blitz und Donner gleichzeitig –
und weil wir nackt waren,
traten wir jetzt einige Schritte vor,
etwa fünf Meter vorm Blockhaus,
da wo die große Rasenfläche ist
und standen im Platzregen.
Nackt im Platzregen
der warm war!
Ja, warmer Regen!
Und dann, als die Heftigkeit des Regens nachließ,
legten wir uns wie in Trance nieder
auf den Rasen,
und –
ja, wir haben es getan!
Wir haben uns tatsächlich
im warmen, gemäßigten Regen des Gewitters geliebt.
Am Anfang war es noch etwas hell,
aber dann muß wohl auch die Dunkelheit zur Nacht eingebrochen sein,
in Verbindung mit der Dunkelheit des Gewitters –
es war jedenfalls irgendwann stockdunkel.
Ich sah zwischendurch zum Blockhaus,
in dem ein spärliches Licht brannte
und genoß einfach den animalischen Sex mit Iris.
Ja, ich kann es nicht anders sagen:
es war irgendwie animalisch –
diese Form von „Liebe machen“.
Ob wir… NEIN!
keiner von uns beiden hatte auch nur die Spur von sowas wie Angst.
Wir waren doch im Glück!
– Ich sag euch:
probiert es mal aus –
Sex im Gewitter-Regen –,
nackt auf nassem Rasen!
Einfach geil.