Sehen
Stöhn!
Beim ersten Mal ist es leicht.
Es ist wirklich zum Stöhnen.
Ein neuer Mann,
ein Nachmittag in einem Hotel.
Es ist hell. Im Zimmer stehen Laptops,
winden sich Kabel auf dem Schreibtisch.
Es ist ein Arbeitszimmer.
Doch hier darf man gerne stören.
Die Systeme laufen einfach weiter,
kein Mensch im Büro weiß,
ob man wirklich nachdenkt
über die neue Programmiersprache
oder ob man sich in den Laken wälzt
mit einer gestern aufgegabelten Frau.
Wir stöhnen gemeinsam um die Wette,
während wir uns körperlich nähern.
Er ist schnell nackt,
ich bin in meinem Sex-Outfit.
Das bedeutet halterlose Strümpfe,
die an bleiben müssen.
Ein BH,
der gut zur Seite geklappt werden kann.
Vielleicht noch ein T-Shirt.
Am allerliebsten auch noch mit Rock,
einfach hochgeschoben.
Ich mag nackt keinen Sex.
Erinnert mich so an Freikörperkultur,
in der die Nacktheit einfach wegdefiniert wird.
Vielleicht wird es auch zu schnell zu nah.
Zu sehr auf Augenhöhe.
Und Augenhöhe finde ich nicht geil.
Zu sehr wir haben uns ja so lieb
und davon ist ein Orgasmus Lichtjahre entfernt.
Der nackte Mann, der nur die nötigsten Zugänge freilegt,
ist etwas ganz anderes.
Allein das bringt mich schon zum Stöhnen.
Wir stöhnen und stöhnen stundenlang
und fickenderweise,
von vorne und von hinten.
Auch beim nächsten ersten Mal
stöhne ich ganz wie von selbst.
Nähert er sich tatsächlich dem verbotenen Eingang?
Will er da eindringen,
wo es gefährlich ist,
wenn man sich so gar nicht kennt,
nicht weiß,
wer mit wem sonst noch Flüssigkeiten austauscht?
Es wird eine Stöhn-Orgie,
die durch die hellhörigen Zimmerwände dringt,
es dauert lange,
bis das drückende Eindringen,
das geile Sich nicht Wehren,
die verbotene Hingabe stattfindet.
Beim nächsten Mal wird das Stöhnen schon anstrengend.
Denn wieso soll man beim zweiten,
dritten,
vierten Arschfick immer noch stöhnen,
als sei es etwas Besonderes?
Na klar, weil er es so mag.
„Ich will, dass es der Frau gut geht“,
verlangt er,
und das soll sich gefälligst
in lauten Tönen äußern.
Aber wenn es doch manchmal ein bisschen dauert,
bis es sich geil anfühlt?
Bis man im Kopf eine passende Fantasie aktiviert hat,
die die Säfte fließen lässt?
Wenn man noch müde ist
morgens um 6 Uhr
nach einer durchfeierten Nacht mit Alkohol.
Da kennt er keine Gnade.
„Warum bist du so still?“
Ach Gott, ja, das Stöhnen,
das hab ich ganz vergessen.
Suche Mann, der auch ohne mein Stöhnen abspritzen kann.