Sehen
Strandfick an der Ostsee
Ach, der Ostseestrand!
Dieses graue, windgepeitschte Paradies,
wo die Wellen nicht etwa sanft plätschern,
sondern mit der Zuverlässigkeit
eines betrunkenen Stasi-Offiziers
gegen den Strandkorb knallen.
Kein Mallorca-Gedöns
mit Kokosöl und Latino-Lovern,
nein, hier riecht es nach Salz, Algen
und dem leisen Hauch von Existenzangst.
Perfekte Kulisse
für den ultimativen deutschen Paarungsakt:
den Strandfick zwischen den Dünen.
Da lagen wir also, sie und ich,
in einer Mulde,
die wir uns mit viel Optimismus
und noch mehr Sand
als Liebesnest erkoren hatten.
Ringsum nichts als menschenleere Weite –
nur ein paar verirrte Möwen
und ein Rentner mit Metalldetektor,
der wahrscheinlich nach verlorenen Eheringen
aus den Siebzigern suchte.
Romantik pur.
Ich dachte noch: „Endlich mal ungestört.“
Sie dachte offenbar: „Endlich mal richtig durchgelüftet.“
Es ging los wie immer bei uns Deutschen:
erst ausziehen mit der Präzision eines IKEA-Aufbaus,
dann hektisch,
weil der Wind die Klamotten Richtung Polen blies.
Kaum lagen wir nackt,
kam der Sand ins Spiel.
Nicht dieser feine Karibikpuder –
nein, richtiger Ostsee-Sand.
Körnig. Hartnäckig.
Der Typ Sand, der sich in jede Pore frisst
und später beim Duschen als Erinnerung wieder rauskommt,
wenn man niest.
Wir vögelten, als gäb’s kein Morgen.
In Grund und Boden,
wie es sich für anständige Ossis gehört.
Sie oben, ich unten,
der Sand als natürliches Peeling.
Ich spürte schon nach drei Minuten,
wie mir irgendwas in den Arsch biss.
„Nur eine Mücke“, dachte ich heldenhaft.
Waren aber Sandflöhe.
Diese kleinen sadistischen Scheißer,
die sich offenbar gedacht hatten:
„Frischfleisch! Los, Jungs, Party am Hinterteil!“
Sie stöhnte, ich stöhnte,
der Sand knirschte zwischen den Zähnen.
Irgendwann kam der Höhepunkt –
bei mir zumindest.
Bei ihr eher ein „Aua, kalt!“
und „Können wir nicht einfach ins Hotel?“
Aber nein, wir sind ja naturverbunden.
Authentisch.
Deutsch.
Drei Tage später:
Sie humpelte mit Blasenentzündung zum Arzt
(„Zu viel Sand in der Leitung“, diagnostizierte der Doc trocken),
und ich saß auf einem Gummiring,
weil mein Allerwertester aussah
wie nach einer Sitzung bei einer sehr engagierten Domina
mit Zahnproblemen.
Fazit:
Der Ostseestrandfick ist die ultimative Prüfung
für jede Beziehung.
Wer das überlebt,
hält auch eine Ehe mit Steuererklärung zusammen durch.
Und wer’s nochmal macht,
hat entweder Masochismus studiert
oder einfach vergessen,
dass es in Binz auch Hotels mit richtigen Betten gibt.
Aber mal ehrlich:
So scheiße es war –
ich würd’s wieder tun.
Weil’s eben Ostsee ist.
Weil’s eben wir sind.
Und weil am Ende bleibt:
ein paar Narben,
eine Rechnung vom Hautarzt
und die Gewissheit,
dass Liebe manchmal einfach nur bedeutet,
gemeinsam Sand aus der Unterhose zu schütteln.