Sehen
Tabulos
Neulich stellte sich meine Freundin
vor mich hin und stellte mir
eine intime Frage über meine
Sexualität.
Naja, es war eine für
mich etwas delikate Frage,
die ich hier nicht konkret
offenlegen möchte.
Ja… es ging schon um
eine gewisse Praktik, ob ich
diese einmal ausprobieren möchte,
und ob ich sie bisher
schon in meiner Phantasie
ausgelebt habe.
Ich war erstmal erstaunt darüber,
wie sehr mir das peinlich
war so eine Frage gestellt
zu bekommen.
Von ihr, meiner langjährigen Freundin.
Ich muß dazu sagen, daß
unser Sexleben nicht gerade das
ist, was man „tabulos“ nennt.
Nein, wir sind da eher
ein ganz normales Durchschnittspaar.
Von daher war ich ja auch
so überrascht, daß gerade sie
eine derartige Frage stellen konnte.
Sie ist nämlich sonst eher
zurückhaltend was konkrete Gespräche
über Sex und Sexpraktiken betrifft.
Ich wich der Frage aus.
Doch sie bestand auf eine
klare Antwort.
Ich weiß nicht warum ich
auf einmal gereizt und aufbrausend
reagierte, denn eigentlich konnte ich
recht gut und auch offen
über Sex sprechen, aber so
mit der Pistole auf meiner Brust
– konnte und wollte ich nicht
meine Meinung und Gedanken offenlegen.
Und dann sagte ich ihr das,
was schon immer meine Meinung
über Sex innerhalb einer Partnerschaft war:
„Reden wir mal über Tabus.
Ein Tabu ist ein Etwas,
das man nicht berührt, nicht
aufgreifen darf.
Aus ganz bestimmten Gründen.
Es gibt kulturelle Gründe für Tabus,
religiöse, politische, ethische und auch
ganz persönliche.
Was wir gerade vor uns haben,
beruht auf der Grundlage persönlicher Gründe.
Das bedeutet konkret ausgedrückt,
meine sexuellen Phantasien, Gedanken und Wünsche,
gehören mir ganz allein.
Und ich darf darüber bestimmen,
was ich, und wem ich,
davon preisgebe.
Was mir persönlich zu intim ist,
was mir persönlich nicht angenehm ist,
offenzulegen, das behalte ich für mich.
Das geht niemandem etwas an.
Nicht meiner langjährigen Partnerin,
nicht meinen besten Freunden,
nicht meinen Geschwistern.
Niemandem.
Meine Sexualität ist mein eigenstes Eigentum.
Genauso ist es mit meinen Gedanken.
Die Gedanken sind frei, wie es so schön heißt.
Gedanken, Phantasien, sexuelle Gedanken und -Phantasien.
Nur mir allein.
Was ich davon preisgebe, entscheide ich allein.
Basta!
Wenn ich das schon immer höre:
Tabulos, tabuloser Sex.
Ein riesengroßer Schwachsinn ist das!
Was auch völlig klar dabei ist,
daß hierbei meistenteils unaufrichtig verfahren wird.
Beispiel: Wenn ich auf die mir
gerade gestellte Frage antworten müßte,
würde ich allenfalls eine Soft-Version
der Antwort liefern, die in Wahrheit
weitaus drastischer ist.
Klar? – Soviel zum Thema Tabulos
– tabuloser Sex.“