Sehen

Teenagerwelten

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Als ich ein Teenager war,
da war die Welt noch einigermaßen
überschaubar in Ordnung.

Das heißt, es war nicht so kompliziert
und komplex wie heutzutage.

Als Teenager ohne Handy
und sämtliche andere neue Medien,
die ständig sich selbst überholen
und in Windeseile wieder out sind,
samt den sogenannten „sozialen Medien“ –
die ich gerne in asoziale Medien
umbenennen möchte –,
war der Umgang
und die Kommunikation
mit Freunden und Kameraden,
sehr einfach.

Im Gegensatz zu heute.

Nein, jetzt kommt kein Satz mit
„früher war alles besser“.

Das nicht, doch wenn ich mir den Vergleich erlauben darf –
ich möchte heutzutage kein Teenager sein.

Ich will hier auch nur allein
über ein Thema sprechen:
Partnerschaften und Sexualität
in diesem schwierigen Alter.

Also das ganze Drama um
„Teenagerliebe“
(ein großes Drama!)
und Erkundungen
auf den sexuellen und erotischen Feldern
des Gegengeschlechtes.

Das war zu meiner Zeit,
als man sowas wie Handys gar nicht
für möglich gehalten hätte,
ein äußerst spannendes Feld.

Und die einzelnen Fraktionen,
die über „Wissen“ –
oder sogar über „Erfahrungen“ verfügten,
waren echte Institutionen.

Darin gab es eben die Freunde
oder Schulkameraden,
die schon sehr viel von der Thematik wußten,
ja, und vereinzelt gab es dann auch noch die,
welche,
über einschlägige Erfahrungen verfügten,
oder vorgaben,
über einschlägige Erfahrungen zu verfügen.

Wie gesagt – ein spannendes Feld.

– Die Jungs der Fraktion,
die eine oder gar mehrere Schwestern hatten,
oder Geschwister die ein paar Jahre älter waren,
waren selbstverständlich im Vorteil,
vor den Jungs,
die keine Schwestern
oder ein paar Jahre ältere Geschwister hatten.

Als Junge ohne Schwester,
konnte man zum Beispiel damals nur schwerlich
an Informationen herankommen,
wie ein Mädchen – anatomisch genau –
gebaut ist.

Wenn ihr versteht was ich meine.

Die, die Schwestern hatten,
verfügten darin über gewisse Wissensfelder.

Einige von ihnen, konnten sehr wohl so manches Brisantes verraten
und gaben auch mächtig damit an.

Eines Tages kam ein Schulkamerad
in die Klasse
und flüsterte unter uns Jungs,
er hätte heute ein Foto mitgebracht,
das er uns in der großen Pause zeigen würde.

Wow! Was konnte das wohl für ein Foto sein?

Als es dann zur großen Pause schellte
und unser kleiner Freundeskreis –
wir waren allesamt 12 bis 13 Jahre alt –,
steckten in der Schulhofecke
die Köpfe zusammen
und Clemens,
so hieß der besagte Junge,
holte ein vergrabschtes altes Schwarzweißfoto hervor
und reichte es herum.

Auf dem Foto war überdeutlich zu sehen,
wie eine reife liegende Frau
ihr Geschlechtsteil,
umrahmt von dichtem schwarzen Schamhaar,
breitbeinig dem Fotografen entgegenstreckte.

Das hat uns umgehauen.

So fies, so eklig sollten die Mädchen da unten alle aussehen?

Ich selbst habe mich schnell angewidert abgewandt
und vor mir selbst eine Scham empfunden,
sowas angesehen zu haben
und jetzt über ein Wissen zu verfügen,
was ich – offengestanden –
doch eher nicht habe wissen wollen.

– Doch eines besagt diese kleine Geschichte:
Sie ist ein Beispiel dafür,
daß in diesem Alter,
das umfangreiche Thema Partnerschaft
und sexuelle Erfahrungen damals nicht nur
ein sehr spannendes Feld war,
sondern jene Unwissenheit darüber beinhaltete
Rätsel und Geheimnisse –
die man nach und nach,
auf spannende und interessante Weise lösen,
aufdecken und erfahren konnte.

Wenn auch manchmal mit so krass-befremdlichen Ergebnissen
wie die oben beschriebene.

Ich möchte diese spannende Zeit nicht missen.

Vergleiche zu den heutigen Möglichkeiten für Teenager,
via Internet und andere „neue Medien“,
zur Thematik Partnerschaft und sexuelle Erfahrungen,
kann jeder für sich selbst abschätzen.

– Nein, ich wollte nicht gern getauscht haben.

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