Sehen
Über einen bestimmten Prozeß
Ein leeres Blatt.
Ein erster Gedanke.
Ein Fetzen einer Idee.
Ein erstes mutiges Wort: Ich.
Ich dachte zurück.
Zurück an die Zeit,
als es mir noch leicht war,
eine fremde Frau anzusprechen.
Ob auf der Straße,
in einem Lokal,
in einer öffentlichen Bibliothek,
oder sonstwo.
Ich bemerkte sie,
ich beobachtete sie,
und manchmal schaute sie auch zu mir herüber,
schaute mich an.
Manchmal lächelte sie mich dabei an.
Wie eine Einladung.
Die ich dann gerne annahm,
indem ich sie ansprach.
Diese Situationen waren jedes Mal sehr anregend.
Interessant sowieso.
Vor allem aber waren solche Situationen erotisch.
Das war intensiv zu spüren.
Und nicht nur bei mir,
nein, es war auch bei den jeweiligen Frauen der Fall,
das war ebenfalls genau zu spüren.
Die Anziehung, die uns dann zueinander führte,
die zu einem Wortwechsel,
oft sogar auf ein längeres Gespräch zuging,
war regelrecht magnetisch.
Die Erotik stellte sich ganz von selbst ein.
Die Frau, sowie ich, genossen das dann.
Das Spiel von Mann und Frau.
Das erotische Verhalten der menschlichen Natur,
wie das Balzverhalten im Tierreich.
Das ist mehr oder weniger vorgegeben.
Die männliche, sowie die weibliche Seite ticken genauso,
wie es die Natur eingerichtet hat.
Jahrtausendealte Einrichtung.
Heute, wie vor tausend und mehr Jahren,
das gleiche Ritual.
Das auf sich aufmerksam machen,
das glänzen wollen,
das Eindruck machen wollen.
Und beide Seiten spielen ihr Potential aus.
Ich konnte in solchen Situationen immer gut reden,
charmant sein, einfühlend,
da war ich mir ziemlich sicher.
Dass das gut ankommt.
Und das tat es meistenteils auch.
Das war wunderschön sowas.
Das tat wunderbar wohl.
Und manchmal ist auch was draus geworden…
Aber auch wenn nichts,
aber auch gar nichts draus geworden ist,
allein solches Flirten stärkte mein männliches Selbstvertrauen.
Und heute?
Ich möchte viel mehr darüber schreiben,
als nur:
Diese Flamme geht zur Neige…!
Ab einem gewissen Alter geht sowas einfach wie von allein zurück.
Rückläufig auch der Drang danach.
Jedes Mal wenn ich mich im Spiegel ansehe
und den Alterungsprozeß in meinem Gesicht deutlich erkenne,
macht mich das betrübt.
Mal mehr, mal weniger.
Und klar, komme ich damit klar,
dass ich altere,
dass ich mit zunehmendem Alter in jeglichen Kategorien abbaue.
Aber den kleinen Wehleidigen krieg ich immer wieder mal…
Ja, und besonders wenn ich in der Öffentlichkeit eine Frau sehe,
die ich – damals – unbedingt angesprochen hätte,
und die darauf – unbedingt eingegangen wäre,
ja, dann krieg ich das.
Ich muß einfach mehr darüber schreiben.
Über genau diesen Prozeß…
und was das mit mir macht.