Sehen
Und führe mich nicht in Versuchung, sondern erlöse mich von…
Antonio war ein notorischer
Schürzenjäger – wie man früher
so schön sagte.
Heute heißt das anders,
die heutigen Männer solchen
Kalibers nennen sich…
Aber lassen wir das.
Antonio hatte seit vier Wochen
eine neue Flamme.
Aber diesmal schwor er fest
und heilig, bei dieser Neuen –
der blonden Angelika –, zu bleiben.
Er schwor ihr die Treue
(man glaubt es nicht!)
und er willigte auch in eine Verlobung,
die in eine zeitnahe Heirat münden sollte.
Ja, dem allem willigte er bedenkenlos ein.
Ungeachtet daß er seine Promiskuität verdrängte,
er machte sich auch, was die dazugehörigen
„Reizauslöser“ betrifft,
keine bedenklichen Gedanken.
Antonio meinte drüber zu stehen.
All die Frauen auf der Straße,
die ihn so verlockend ansahen –
denn Antonio war ein schöner Mann!
All den Frauen, denen er gewohnheitsmäßig –
auf der Straße und sonst auch überall –, schöne Augen machte.
All die Gelegenheiten, die er sonst unbedingt
und sogleich ergriff – und meist mit Erfolg!
(er ließ nichts anbrennen)
All diese Reizauslöser gedachte er zu ignorieren
und drüber hinwegzusehen, unbeachtet vorbeizugehen.
Dachte er.
Und man muß es Antonio echt lassen,
seit vier Wochen schaute er tatsächlich
nur noch auf seine Schuhe,
oder auf die schöne Umgebung der Stadt,
seinen Gebäuden und Gärten.
Er schaute in den Himmel,
schaute sich die Bäume an,
die zwitschernden Vögel und dergleichen mehr.
Er sah hin und wieder auch auf die Straße
zu den Menschen,
er sah junge und alte Männer,
Arbeiter, Geschäftsmänner, oder Rentner –, ja, sogar Kinder!
Er sah nur keine Frauen mehr – an.
Die waren für ihn einfach nicht mehr vorhanden.
Punkt.
Das klappte soweit prima.
Wenn er nur nicht auf dem Weg
zu seiner Dienststelle jeden Tag
an den Straßenstrich vorbei mußte.
Einen anderen Weg gab es tatsächlich nicht!
Und es waren doch nur 15 Gehminuten.
Nun denn, Augen zu und durch – sagte er sich.
Doch dies war leichter gesagt als getan.
Die gerissenen und teilweise aggressiven Maßnahmen
die die Straßenhuren so drauf haben,
um sich Freier einzufangen,
gleichen Spinnen, die ein unsichtbares Netz
aufgespannt haben.
Und zack, klebt schon ein Opfer im Netz.
Und zack, da ist es auch schon von der Spinne
eingewickelt und… man kennt das ja.
– Doch Antonio gedachte an diesen Damen
unbeschadet vorbeizukommen.
Doch heute erkannte er schon von weitem
die rote Rita.
Sie mochte Antonio sehr
und Antonio mochte sie besonders gern,
und manchmal ließ sie ihn sogar
für eine Schachtel Zigaretten ran.
Antonio schritt mutig auf die rote Rita zu
und wollte gerade an ihr vorbei,
als sie sich ihm in den Weg stellte
und ihn ansprach:
„Hey Antonio, heute mal wieder nach der Arbeit bei mir?“
– „Nee Rita, daraus wird nichts mehr,
ich bin jetzt verlobt
und habe gelobt umgehend monogam zu leben.“
– „Hey Antonio, was ist das für´n Scheiß,
willst du mich verscheißern?
Ich kenn dich doch, das hälst du keine 3 Tage durch!“
Und dabei holte sie aus ihrem tiefen Ausschnitt
ihre großen Brüste raus,
stellte sich vor ihn auf die Zehenspitzen
und hielt sie Antonio vors Gesicht.
„Schon mal kosten, Antonio?“
– „Laß mal Rita, ich geh dann erstmal zum Dienst,
wir sehen uns ja auf meinem Nachhauseweg wieder,
dann erklär ich dir meine Lage nochmal genauer.
– Und das eben, war Antonios Problem.
Seit die rote Rita ihm ihre Brüste so kokett
in Richtung seines Gesichtes dargeboten hatte,
war er angefixt.
Den ganzen Dienst über dachte er nur:
„Und führe mich nicht in Versuchung,
sondern erlöse mich von…“
– ja, von was denn?
Von der roten Rita?
Von den Frauen im Allgemeinen?
Von meinem verflixten Trieb?
Hab ich denn keinen eigenen Willen mehr?
– Aber Antonio war sich beim Heimweg bombensicher:
Die rote Rita kriegt mich ebenso wenig rum
wie alle anderen Weiber!
Doch was geschah in Wirklichkeit?
Antonio war noch nicht einmal zehn Meter
von der roten Rita entfernt – er sah sie schon winken –,
da wankte sein Entschluß.
Sieben Meter, fünf Meter – drei, zwei – und zack!
Da hing das Opfer im Netz.
– Noch Fragen?