Sehen

und plötzlich Genie

Charles Haiku

Und plötzlich –
ja genau, und plötzlich
war Thomas G. nicht mehr der Typ,
der mit seinem
„Ich bin so verknallt in dich, du geile Sau“-Gegröle
ganze Festzelte zum Kotzen brachte.

Von einem Tag auf den anderen
servierte er Pointen,
die saßen wie ein perfekt gezogener Analplug:
präzise, tief und mit Nachhall.

Die Leute klatschten nicht mehr aus Mitleid,
sondern aus Schock.

Sogar die sonst so sauertöpfischen Kritiker der „taz“
schrieben:
„Endlich einer, der den Schlager vom Dünnpfiff befreit.“

Die Nation rätselte.

Hatte er sich heimlich einen Liter Hirn einflößen lassen?
Stand da etwa ein neuer Ghostwriter hinterm Vorhang,
der vorher für Gottschalk und Pocher gearbeitet hatte?

Oder – und das war die geilste Theorie –
hatte Thomas G. endlich kapiert,
dass man mit Niveau mehr Fotzen flachlegt
als mit „Buona Sera Signorina, ich will dich von hinten“?

In den Talkshows ging’s rund.

Harald Schmidt behauptete steif und fest,
Thomas habe sich bei einem Seminar in Baden-Baden
einer „intellektuellen Penisersatz-OP“ unterzogen.

Oliver Pocher tippte auf Ayahuasca
und einen Schamanen aus Köln-Ehrenfeld,
der ihm statt Koks plötzlich Kant und Kafka in die Nase blies.

Und die Bild-Zeitung titelte groß:
„Hat Thomas G. seinen Schwanz gegen einen Witz getauscht?“

Die Wahrheit war banaler
und deshalb umso geiler:

Thomas hatte einfach aufgehört,
sich jeden Abend mit billigem Korn
und noch billigeren Groupies volllaufen zu lassen.

Stattdessen las er jetzt Bücher.
Richtige.
Mit mehr als drei Seiten.

Und siehe da –
wer nicht ständig besoffen oder besamt durch die Gegend taumelt,
dessen Hirn fängt plötzlich an zu arbeiten.

Die Synapsen knistern
wie frisch geföhntes Schamhaar.

Das Ergebnis?

Ein Thomas G., der auf der Bühne stand
und Sätze sagte wie:
„Liebe ist, wenn man sich gegenseitig die Fernbedienung überlässt –
und trotzdem keinen Orgasmus kriegt.“

Das Publikum heulte vor Lachen und Erregung zugleich.

Frauen wurden feucht, Männer neidisch,
und die Plattenverkäufe explodierten
wie ein Silikonbusen bei zu viel Druck.

Fazit:

Manchmal reicht es,
den Schwanz mal fünf Minuten in der Hose zu lassen
und stattdessen das Hirn raushängen zu lassen.

Plötzlich bist du nicht mehr der Dorfcasanova mit dem Dauerständer,
sondern der Typ, der die Weiber mit Worten vögelt –
und zwar so hart,
dass sie danach freiwillig die Pille absetzen.

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