Sehen

Und Vögel, sichtbar am Horizont

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Ich sitze am Ufer
eines Sees der von
hohen Nadelbäumen umgeben ist.
Dahinter sind hohe,
schneebedeckte Berge zu sehen.
Es ist sonniger warmer Sommer
um die Mittagszeit.
Ich bin nackt,
schaue auf die Wasseroberfläche.
Sie ist ganz ruhig.

Doch plötzlich taucht eine Gestalt
aus dem Wasser empor,
ganz nah beim Ufer.
Es ist eine junge Frau.
Hat sie so lange getaucht,
oder habe ich sie
nicht heranschwimmen sehen,
bevor sie abgetaucht ist,
um hier in Ufernähe aufzutauchen?
Sie ist nackt,
sie ist schön,
sie hat langes schwarzes Haar.
Gleich wird sie bei mir sein,
denn sie geht geradewegs
auf mich zu.
Sie setzt sich ohne etwas zu sagen
zu meiner Rechten neben mich
und schaut auf den See.
Ihr nasses Haar tropft
an ihr herab
und in den Sand
auf den wir sitzen.

Ich schaue sie von der Seite an.
Ihr Körper ist wunderschön.
Eine sonnengebräunte, makellose Haut,
und ein Gesicht,
das eine Geschichte erzählt.
Von einer einzigartigen Schönheit
die alle Klischees beinhalten
die vorstellbar sind.
Ich bin überwältigt davon –,
lasse mich nach hinten
in den Sand fallen
und schaue in den blauen Himmel.
Wenige weiße Wolken ziehen
wie in Zeitlupe
vor meinen Augen vorbei.
Ich schließe die Augen,
weil das Licht allzu hell ist.

Ein Schatten scheint sich jetzt
über mir zu bilden.
Meine Augen öffnen sich
und da ist sie,
die junge Frau,
die sich über mich gebeugt hat
und ihre großen hängenden Brüste
dicht vor meinen Lippen hält.
Wie frische pralle Früchte
die dargereicht werden.
Jetzt berührt eine ihrer großen braunen Brustwarzen
meinen Mund.
Intuitiv öffne ich ihn
und versuche daran zu saugen.
Und tatsächlich –
es kommt Milch hervor!
Ich sauge jetzt stärker
und diese süßliche warme Flüssigkeit
ist wirkliche Milch!
Milch aus ihrer Brust.
Wer hat solches jemals erlebt?

Ich höre sie lachen.
Ohne ihr Gesicht zu sehen.
Ihr Lachen gefällt mir nicht wirklich.
Es ist so ein überhebliches,
so ein Lachen von oben herab.
Mit einem verächtlichen Unterton,
den ich deutlich herauszuhören vermeine.
Meine Arme liegen noch wie gebannt,
rechts und links an meinen Schenkeln
im Sand.
Ich öffne meine Augen
und lasse vom Saugen ab.
Ihre großen Brüste heben sich
von meinem Gesicht ab
und jetzt sehe ich
ihr schönes Gesicht im Profil.
Sie lacht noch immer –
in Richtung See.

Dann beugt sie ihr Gesicht
zu mir herunter,
sagt etwas in einer mir fremden Sprache
und drückt ihre vollen Lippen
auf meine,
öffnet mit ihrer Zunge meinen Mund
und berührt damit meine Zunge.
Ein Kuss von unbeschreiblicher Intensität beginnt
und hält minutenlang an.
Dann löst sie den Kuss auf,
beleckt sich,
steht auf –
und geht.
Geht zum Ufer
und steigt ins Wasser.
Ich sehe ihren wunderschönen Körper von hinten,
wie er eintaucht,
tiefer eintaucht,
immer tiefer,
bis er ganz verschwindet –
untergetaucht ist
und – nirgendwo sichtbar
wieder auftaucht.

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