Sehen
Unterwegs in der Sommerhitze
Dicht an Weizenfeldern vorbei, ging es, der Himmel war von einem dunklen Blau und die sonnenhelle Hitze war durchsichtig und legte sich ganz an die Körper. Die Blondheit des Weizens war genau die von Hildes Haar. Typisch für sie, immer einen Schritt vor mir, einen Tack zu schnell, so daß ich schauen mußte, Schritt halten zu können. Immer wieder Vögel. Immer wieder so verschiedenartige, viele Vögel. Die meisten kannte ich gar nicht. Es ist doch Sommer. Weit dahinten, wohl auch noch weit hinter dem Horizont, liegt der Ort wo wir hinwollen. Hildes Sommerkleid mag ich. Es ist von einem Pastellgelb das so ganz meine Farbe ist, und mit einem Blümchenmuster, das ihr ausnehmend gut steht. Aber das weiß sie selbst. Sie trägt ihr Haar heute offen, es ist mehr als schulterlang und von natürlichen Wellen durchzogen. Sie hat sich für diese Wanderung für die weißen hohen Leinenturnschuhe entschieden. Vielleicht weil ihre Unterwäsche auch weiß ist, das erkennt man ganz genau. Ihr BH und ihr Slip schimmern mir schon ein wenig neckisch durch den dünnen Kleiderstoff hindurch. So als wollten sie mir etwas signalisieren. Ach ja, Hilde, wenn ich die danach fragte, so würde sie mich wieder auslachen, mich dabei umarmen und mit einem Kuß würde sie das wieder abtun. Ja, was sowas in mir auslöst. Hilde ist eine schöne junge Frau. Für mich war sie stets die schönste Frau der Welt, und keine Filmdiva und kein Topmodel könnte es mit ihr aufnehmen. Aber mir glaubt ja keiner. Wie bitte? Daß es so ist, oder daß dies nur meine Überzeugung ist, es sei wirklich so. Naja, beides eben. Ich habe das Glück sie täglich bei mir zu haben. In unseren Urlauben noch weitaus länger als wie sonst. Und jetzt ist Urlaub. Warum muß sie immer mit so einem Stechschritt los, und warum gehen wir nicht wieder nebeneinander wie zu Anfang. Ja, weil wir zwischendurch mal quer durchs Weizenfeld ein wenig abgekürzt haben, und dann ist es schon besser, wenn man hintereinander geht. Aber kaum waren wir wieder auf dem Feldweg, ließ sie mich weiter hinter sie herlaufen. Doch im Grunde ist mir das auch recht. Ich schau sie mir doch für mein Leben gern an. Egal in welcher Situation. Wie ich sie gestern beim Entkleiden beobachtet habe, als sie ein Bad nehmen wollte. Ich habe mir das Ganze genüßlich angeschaut. Wie sie sich auszieht ist einem langsamen Tanz ähnlich. Und da sie nicht wußte, daß ich sie beobachtete, ging sie mit einer Natürlichkeit daran, die man hätte filmen sollen. Ja, sowas von schönen Bildern. Erst als sie schon im Schaum der Badewanne saß, zeigte ich mich ihr. Sie lachte mir ins Gesicht, mit der Frage, ob ich sie beobachtet hätte. Na klar, sagte ich. Solche Gelegenheiten laß ich mir nicht entgehen. Und jetzt schaut sie sich nichtmal nach mir um. Aber sie liebt mich ja, genauso wie ich sie. Wir wollen das berühmte Kloster im Örtchen besichtigen und dann schön essen gehen. Was uns der Tag dann noch bringen wird – mal sehen.