Sehen
Vertraut Stufe eins
Während ich dasitze auf der Behandlungsliege und mit den Beinen baumele, überlege ich mir unzählige Varianten, wie ich es heute abbiegen könnte, dass er mir wieder eine Arschmassage verpasst, die mich total erregt. Ich könnte sagen: Es ist mir peinlich. Ich könnte sagen: Es ist mir zu intim. Ich könnte sagen: Sie könnten sich auch etwas anderes einfallen lassen. Er könnte ja den Oberschenkel massieren, ganz oben tut er nämlich weh. Natürlich wäre die Stelle auch gefährlich.
Als ich ein Geräusch höre und er endlich dasteht, fragt er: Und, wie ist es? Ich sage: Es war sehr effektiv, ich konnte viel besser Treppen heruntergehen und mein Bein hat nicht mehr so weh getan. Er raunt: Dann machen wir doch wieder ein bisschen Iliosakralgelenk. Das klingt harmlos. Er: Dann legen Sie sich bitte auf den Bauch.
Schon krieche ich wieder willig auf die Liege. Er zieht den Slip ruckartig runter, ziemlich weit, wie mir scheint. Dann schiebt er wieder meinen Rock nach oben. Da müsse er auch dran. Ich liege also quasi halbnackt auf dem Bauch, die Backen quillen aus dem Slip, meine Fettpolster am Rücken liegen vor ihm.
Und er ist aggressiv, ein Zeichen dafür, dass er bereits geil ist.
Als ich das Kopfkissen auf den Boden fallen lasse, schimpft er: Sie hätten es mir auch geben können. Ja, hätte ich machen können, sage ich und lege meinen Kopf entspannt auf meine Hände. Er legt los.
Ich lasse mich jetzt einfach erregen. Ich wehre mich nicht mehr dagegen. Er bleibt mit seinen Händen auf der rechten Pobacke, driftet manchmal auf die Seite und redet was von Hüfte. In mich dringt immer tiefer etwas ein. Er streichelt meinen hinteren Oberschenkel. Er macht es so verdammt gut. Mal fest, mal weich, lange, ausdauernd. Ich sinke tiefer und tiefer in den beschwipsten Zustand und ich weiß, dass er jede kleine Regung energetisch wahrnimmt.
Und wie geht es sonst so? will er wissen. Vielleicht hat er eine bestimmte Antwort erwartet. Überhaupt reden wir heute viel mehr als beim letzten Mal. Dann hört er urplötzlich auf, ich liege nackt und gierig da, und er fährt die Liege runter. Stehen Sie bitte auf, sagt er. Ich hebe ein paar Mal mein Bein. Geht es gut, fragt er. Ja. Sind Sie wieder im Kurs? fragt er und meint die Wassergymnastik, die er leitet. Ja. Dann bis gleich. Unser Ton ist schon so vertraut. Auf meinen Augen liegt ein Schleier, ich bin quasi besoffen. Als ich aus dem Behandlungsraum gehe, verirre ich mich, eine Putzfrau zeigt mir den Weg aus dem fremden Flur. Während des Kurses überlege ich ununterbrochen, wie wir uns aufeinander zu bewegen könnten. Es müsste doch von ihm kommen, er ist schließlich der Mann. Ich sehe ihn weggehen, den Gang entlang.