Sehen
Vom Lösen und Lassen
Was ist es nur, was manchen Menschen umgibt,
dass andere ihn nicht loslassen können?
Welches Signal sendet dieser aus – oder was wollen andere wahrnehmen?
Es ist weniger ein Hintergrundrauschen, nein,
es hat sich zu einem echten Störfeuer aufgeschwungen.
Je mehr sich dieses junge L(i)eben entwickelt,
desto öfter funkt jemand dazwischen,
kommen die Einschläge näher, rütteln und schütteln an dem,
was in meiner Welt Respekt und Vertrauen bedeutet.
Einige leben so sehr in ihrer Vergangenheit,
dass sie es kaum in die Gegenwart schaffen;
ignorant meinem Wunsch nach Akzeptanz, Höflichkeit und Respekt gegenüberstehen.
Andere wiederum scheinen eine verzerrte Wahrnehmung
und ein übertrieben ausgeprägtes Selbstwertgefühl
zu haben, wenn es um Aufmerksamkeiten geht,
die ihnen tatsächlich aber zu einem viel geringeren Teil
entgegengebracht werden als man ihren Erzählungen Glauben schenken darf.
Und so scheint es, leben wir in einer Welt
voller Schauspieler und Komiker, Diven und Drama-Queens (geschlechterübergreifend).
Ja, haben wir denn alle zu wenig Liebe in unserer Kindheit erfahren?
Was sind das für verkorkste Verhaltensmuster,
Profilneurosen und Selbstdarstellungen?
Wann hat es begonnen, dieses übertriebene Sich-Wichtig-Nehmen?
Email, Sms, WhatsApp, Instagram, TikTok, Facebook.
Im Zeitalter der medialen Vielfalt,
wo Zuspruch und Anerkennung so groß geschriebene Worte sind,
wo es so unzählige Kommunikationswege gibt,
dass penetrant ein anderer genutzt, wenn einer gesperrt wird.
Und so bleibt mir bisweilen nur die Flucht in die Wildnis,
in meine ganz persönliche, meine Insel, mein Bei-Mir-Sein.
(Kommunikations-)Verbindungen kappen –
over and out.
Den Rufern und Unken trotzend,
den Ignoranten und Neidern, Wortverdrehern und Verschmähten
den Rücken kehrend, zeige ich gerne (m)eine südlicher gelegene Landschaft:
wohlgerundet mit sanft abfallenden Hängen und einem tiefen Tal.
Ja, denn genau daran geht es mir vorbei, das Gerede der Besserwisser,
der insistierenden, misanthropischen Wegbegleiter,
die es ganz augenscheinlich weniger gut machen als sie es meinen.
Und als ich wieder auftauche aus meiner Wildnis,
freue ich mich über eine Nachricht meines LieblinXmenschen,
was mich versöhnlich stimmt,
denn so lässt es sich mit und in der digitalen Welt ganz gut l(i)eben …