Sehen
Warum Monogamie?
Warum will der Mensch monogam leben?
Das ist eine hochspannende Frage,
die oft unzureichend erklärt wird,
weil sie auf die Familie reduziert wird.
Auf die Nachkommenschaft,
darauf, dass Sie sicher sein möchten,
dass Ihr Sohn oder Ihre Tochter
auch tatsächlich vom Manne abstammt.
Diese Frage hat aber der Mann.
Warum möchte die Frau Monogamie,
wenn das ihr Wunsch ist?
Sie könnte ja zwei oder drei Versorger haben,
das wäre für sie praktischer.
Zwei oder drei Männer,
die für sie jagen.
Zwei oder drei Männer,
die für sie Schutz sorgen.
Das wäre für die Frau viel intelligenter.
Sie könnte sich eine Armee von Männern binden.
Aber nein, auch sie möchte nur einen einzigen Mann,
nicht zwei oder drei –
wenn wir mal Nymphomaninnen außen vor lassen.
Und selbst die Nymphomaninnen
würden versuchen, es zu verstecken.
Nein, der springende Punkt ist ein anderer.
Wenn ich mit einem Menschen sexuell interagiere,
schenke ich ihm Aufmerksamkeit.
Und je mehr Aufmerksamkeit ich ihm schenke,
desto tiefer kann diese Verbindung werden.
Es geht also um geistige Aktivität,
um eine Hinwendung zu einem anderen Menschen.
Nun sind wir Menschen so gestrickt,
dass wir eine knappe Zeit haben.
Wir können nicht mit zehn Personen gleichzeitig interagieren
und mit allen zehn Personen gleichzeitig intensiv interagieren.
Wir sind kein Computer,
der parallel arbeiten kann.
Wenn ich mich auf zehn Personen gleichzeitig einlasse,
wird die Intensität zu jeder dieser Personen
auch mehr oder weniger oberflächlich sein.
Das heißt, wenn ich eine tiefe emotionale Bindung
zu einem anderen Menschen eingehen möchte,
oder eine intellektuelle,
tiefere Bindung,
muss ich wohl oder übel monogam leben.
Weil nur dann kann ich diese Tiefe
und diese Qualität erreichen.
Weil Sexualität eine Hinwendung ist.
Sexualität ist ja auch eine Sprache des Körpers.
Und daraus folgt die Monogamie.
Es ist nicht nur die Verengung auf die Familie,
sondern es ist eine Hinwendung
zur gänzlichen Vereinigung mit einem anderen Menschen,
woraus dann wiederum auch eine Familie gründen kann.
Aber beides bedingt einander,
und darum ist auch eine Frau bestrebt an Monogamie.