Sehen
Was wäre wenn?
Was wäre wenn?
Eine philosophische Frage.
Eine Lebens-philosophische Frage.
Immer wieder überkommt es mich,
mir diese Frage zu stellen.
Was wäre, wenn ich „Sie“ –
die Freundin meiner Jugendliebe,
zur Frau bekommen hätte?
Erst Jahre danach, als ich schon längst nicht mehr
mit meiner damaligen Freundin zusammen war,
kam mir einmal der Gedanke,
und er löste in mir
eine tiefgreifende Verwirrung aus.
Ich finde grundsätzlich diese
„Was-wäre-wenn-Fragen“ idiotisch.
Aber hier,
speziell zu meinen Gedanken,
hat sich mir diese Frage
zu einer Obsession verstrickt.
„Sie“, die Andere, war im Grunde überhaupt nicht mein Typ,
sie war nicht so hübsch wie meine Freundin
und hatte mich erotisch nie sonderlich angezogen.
Dafür hatte sie aber andere,
fundierte Qualitäten,
die mich (leider) erst im Nachhinein
angezogen haben.
Sie hatte ein sehr reines Wesen,
war eine Gute –, ja,
so sage ich es einfach.
Details dazu wären:
sie strahlte mich stets an,
wenn ich mit ihr im Gespräch war –;
ihre Empathie für andere Menschen
war sehr offenkundig –;
sie interessierte sich sehr
für andere Menschen –;
sie war sehr hilfsbereit.
Äußerlich war sie nicht unhübsch,
sie hatte etwas von einem Landmädchen.
Jedenfalls stellte ich mir Töchter vom Lande
so ähnlich vor.
Sie war sehr natürlich,
und strahlte diese jugendliche Güte aus,
die mit einem Tätigkeitsdrang einher ging.
Immer wollte sie etwas tun,
was gut war –
für Menschen, für Tiere,
oder die Natur.
Später wurde sie Naturwissenschaftlerin.
Doch die Krönung war –
ihr Humor!
Ich habe später selten
ein weibliches Wesen
mit einem derartigen eigenen Humor erlebt.
Mit ihr konnte man scherzen und lachen
in jeglicher Form.
Selbst der derbste schwarze Humor
war ihr nicht fremd
und sie konnte diesen spontan
zum Besten geben.
Irgendwann wurde mir bewußt –
ja, ich war sehr verliebt in sie.
Ja, ich hätte sie vom Fleck weg
in meine Arme schließen –
und auch heiraten mögen.
Ob sie je ähnlich gedacht und gefühlt hat –
für mich?
Keine Ahnung.
– Ja, es ist müßig darüber nachzudenken –
was wäre wenn…?
Und doch kommt er immer wieder mal hoch,
dieser absurde Gedanke.
Aber es beruhigt mich –
und ich weiß nicht warum es so ist –
daß ich in Punkto Sexualität –
also Intimitäten mit ihr –, diesen Gedanken
niemals habe aufkommen lassen.
Ist er wohl von meinem Inneren –
meinem Unterbewußtsein –, gar nicht erst
zugelassen worden?
Ich weiß es nicht.
Bei all meinen reichhaltigen erotischen Phantasien –
in all den Jahren –
hat „Sie“ keinerlei Rolle gespielt.
Seltsam, nicht?