Sehen

...wenn sie ausbricht, nicht gewollt und doch da:

Ferdinand Freiherr von der Ferne

Ein Werk wie eine Finsternis und wahr –, breit angelegt
für keine kleinen Tränen, und nicht für Ihresgleichen
Zerwühlt ist ihre Schuld, vergebens was von Geduld mir blieb an diesem Tag
Versprech ich mir nur Ehrlichkeit und kann sie nicht
Verborgener Moment des Zorns, ruft sie mich – die Bestie!
Tief schlafend sonst, jetzt spürbar sich formend, noch kaum existent
will sie doch hervorbrechen!
Der Moment, vor dem mir´s graut!
Der Mensch bleibt Mensch und doch ein Rätsel sich, so spricht er
Was hat ihn veranlaßt? Ist er wie er ist? War er wie er bleibt? Wird er wie er war?
Die Furcht vor der eigenen, inneren Erfahrung
die nie gelebt, nur geahnt –, die jetzt, wo sie so sichtbar und provokant sich präsentiert
aufrichtet und ausholt zum vernichtenden Schlag –
sie ist greifbar präsent, diese Furcht –, oh ja!
Ist steuerbar ein Impuls, ein Reflex, ein Affekt?
Wer kennt ihn nicht, den furchtbaren Hammer der Zerstörung
den, der blanken Wut, der herunterschnellt mit ungeahnter Wucht
auf den riesigen Amboß zu –
und auf ihm liegend, das Objekt deines Zorns!
Und jetzt steht sie da – von Angesicht zu Angesicht, nie gesehen, nur geahnt:
Es ist diese Bestie, die niemals sollte heraus – und doch… ist sie existent – jetzt!
Hätte ich doch nie gelebt!
Eine Leichenkammer der Verwesung ist der Schädel dieser nichtphysischen Kreatur
Aus ihr geht hervor: eine Energie, die nie gedacht, nie gesehen, nichts gewollt
und nur zerstört, das, was sich ihr entgegenstellt!
Unwillkürliche Wiederholungen sind ungewollt, ist systematischer Gedankengang
gilt nicht dem Zweck der Verarbeitung des Verstehens, noch dem der Akzeptanz
Ein Akt des Tuns, ohne jegliche Kontrolle
Was nur, was kann ich tun? Kann ich was tun?
Der Wille ist angekettet an der Schicksalswand
Nicht mal ein Schrei wagt er auszustoßen
Nur die Augen sehen, sehen was Arme tun, und…
Das Denken nicht mehr existent, auch das Fühlen nicht!
Sehen ohne denken und fühlen, ist kein wahrhaftiger Mensch mehr sein!
Und doch ist Mensch, der, der so tut am anderen Menschen
Und so beginnt das, was schon am Anfang war und bis zum Ende geht
Seit Eva, seit Kain und so bis hier –
Kann ich aus eigener Kraft mein Blut zum Stillstand bringen?
Vom Sein weiß ich, vom Nichts nicht.

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