Sehen
Wie Fräulein Klüh ihren Titel verlor
Als Fräulein Klüh 53 Jahre alt,
unverheiratet geblieben
und noch „unberührt“ war,
dachte sie viel nach.
Über das Leben, über ihr Leben.
Und darüber,
daß ihr gewisse Dinge
in ihrem Leben verborgen geblieben waren.
Sie war eine sehr belesene Frau;
Bibliothekarin in der Stadtbücherei,
und ehrenamtlich stand sie auch noch
in der Kirchen-Bibliothek ihrer Gemeinde vor.
Sie kannte die meisten Werke
der sogenannten Weltliteratur,
und war vertraut
mit den alten Klassikern,
bishin zu den großen Literaten der Gegenwart.
Und hierbei war, insbesondere das Gesamtthema,
Liebe,
Partnerschaft
und Sexualität –
für Fräulein Klüh
ein Buch mit 7 Siegeln.
Dennoch interessierte sie das Thema brennend,
und so las sie in vielen Büchern darüber,
eignete sich ein enormes Wissen an,
und entwickelte darin auch
eine recht tolerante Anschauung.
Spezielle Unterthemen –
wie Freie Liebe,
gleichgeschlechtliche Liebe,
Prostitution…
all sowas,
erfuhr sie aus vielen Romanen
und bildete sich ihre Meinung.
Von daher wollte sie so gern –
und wenn auch nur EIN MAL in ihrem Leben –
auch kennenlernen,
wie es ist,
von einem Mann begehrt zu werden.
Sie sah für ihr Alter gar nicht so übel aus –,
und so faßte sie Mut
zu einer Kontaktanzeige.
Jaja, Fräulein Klüh!
Zu jener Zeit war so etwas
noch äußerst heikel –
und eine schambehaftete Aktion,
eine Kontaktanzeige aufzugeben,
die NICHT auf eine Heirat hinzielt –
vor allem,
wenn das eine Frau vornimmt.
Obschon Fräulein Klüh davon ausging,
daß das Treffen
auf irgendeine Weise
auch erotische Komponente haben würde,
ahnte sie nicht im Mindesten,
wie sehr sie sich darin irrte.
Denn der Herr, der sich auf ihre Anzeige meldete,
war in sexueller Hinsicht,
ein sehr erfahrener Mann.
Jahrzehntelang als Seemann tätig,
war er in jedem Hafen
mit Frauen zusammengekommen.
Doch glücklicherweise war er
eine Art Romantiker geblieben,
der die Frauen hoch achtete.
Der Tag des Treffens –
in einem verschwiegenen kleinen Hotelzimmer –
war gekommen,
und Fräulein Klüh war an diesem Tag
so mutig wie nie zuvor.
Aber olala, was der alles mit ihr anstellte,
was der ihr alles zeigte,
und –
auf was SIE so alles auch selbst kam…
Es war unglaublich.
Fräulein Klüh hätte niemals gedacht,
daß so etwas vorkommen könne,
hätte derartige Dimensionen
nicht im Geringsten auch nur geahnt…
Der junge Seemann war so zärtlich
und einfühlend,
daß Fräulein Klüh
ihre Jungfernschaft gerne
und mit offenen Schenkeln hergab.
Was nach erfolgreicher Defloration
noch an wohltuenden Nachspielen kam –
seine Talente mit Lippen und Zunge
zwischen ihren gespreizten Beinen –,
seine einfühlenden Hinwendungen
gegenüber oralen Zärtlichkeiten
die, bitteschön auch von ihr ausgehen möchten…
bishin zu all den Finessen
und erotischen Kleinigkeiten
die sie sich selbst dabei ausdachte.
Ja, man stelle sich sowas nur vor!
Es war einfach phantastisch!
– Doch Fräulein Klüh,
wäre nicht Fräulein Klüh,
wenn sie auch weiterhin daran festhielt,
unverheiratet zu bleiben!
Das war ihr Lebensmotto!
Nach außen hin, blieb sie weiterhin
für alle Zeiten Fräulein Klüh,
die unverheiratete,
angesehene Bibliothekarin –,
eine alte Jungfer.
Ob sie sich jedoch im Verlauf ihres Lebens
noch weitere derartige erotische Intermezzi erlaubt hat,
ist nicht bekannt.