Sehen

Worttropfen

Mira Wald

Ich spreche
leise,
neben dir,
von meiner Zunge fallen Wörter
auf deine Haut,
tropfen wie Speichel
aus meinem Mund
und legen sich
als Schmetterlinge
auf deinen Poren nieder.
Du –
frißt sie,
saugst sie ein,
verschlingst den Kuß,
den meinigen,
wie ein Höllenschlund
aus weißer Erde.
Schweiß wird zu Wasser –
(du hättest Ertrinken doch gewählt,
müßtest du sterben!)
Ich ficke dich!
Ich ficke dein Gehirn,
jeden einzelnen Gedanken
ficke ich,
mit Härte
und mit jedem Wort,
das weiter tropft, aus mir,
mit jedem Satz –
du schreist . . .
ich spreche leise.
So laß uns lieben,
sage ich,
ein letzter Stoß, von mir,
ein Wort,
du explodierst –
ein Strahl voll Leben
und voll weisser Kinder,
in mein Gesicht,
kein Wasser mehr,
jetzt nur noch Milch . . .
in meine Hände das Gedicht dann,
welches dein totes Sperma schreibt.

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