Sehen
Zeit
Wann hast Du Dir das letzte Mal etwas Gutes getan?
Wann Dir wirklich Zeit für Dich genommen,
ohne den Kopf bei zu erledigenden Dingen zu haben,
ohne Dauerbereitschaft in den sozialen Medien?
Dich mit Dir und Deinem Fühlen, Deinem L(i)eben,
Deinem Selbst und Deinen Gedanken beschäftigt?
Weißt Du noch, wie gut ein Spaziergang in der Sonne tut,
allein mit Dir, einfach immer geradeaus, den Blick aufs Wasser gerichtet?
Zwei Stunden purer Genuss, auftanken für die Seele, ganz bei Dir …
Wie schnell es doch verloren geht. Alleinsein.
Schnell ein Foto hochladen und mitteilen wo man sich befindet.
Die tolle Aussicht, das leckere Essen, das coole Event den Followern präsentieren.
Damit es ordentlich beklatscht und geherzt wird
und Du das Gefühl hast, etwas richtig Großes getan hast zu haben.
Applaudiert wird aber auch für me time, detoxen.
Hier wird sich verbeugt und der Hut gezogen mit: Wow, Profil gelöscht.
Der neue Trend. Ich habe gar kein Handy.
Selbsttest nennt es sich, mal ein paar Tage auf das Smartphone zu verzichten.
Journalisten tun es, Menschen mit chronischem Zeitmangel, Manager.
Und wie groß sie sich danach fühlen.
Es ist ein Entzug. Begrenzt auf drei, sechs, zwölf Monate vielleicht.
Mit garantiertem, ja, gewolltem Rückfall.
Und schnell hat es uns wieder im Griff, tagtäglich.
Das soziale Netzwerk.
Die Neugierde auf das, was es Neues gibt in der Welt,
bei unseren Freunden und Feinden, Stars und Sternchen.
Wir verstecken uns hinter Emails und Whatsapp-Nachrichten,
sehen die blauen Haken und warten auf Antworten,
die auf sich warten lassen.
Telefonieren? Das Schreckgespenst der jungen Generation.
Hirnrissiges Durchscrollen, den ganzen Abend, bis tief in die Nacht.
Wer nicht schlafen kann, greift zum Smartphone.
In einem Buch liegt wahrscheinlich die größere Entspannung,
einfach für mich, ohne es jemanden wissen zu lassen, was und wann
ich es lese, wie ich mich dabei fühle.
Die sozialen Medien sind ein Zeitfresser.
Und am Ende merkt ein junger Mensch nur, was im Leben fehlt,
wie cool das Leben der anderen ist.
Dabei ist das meiste doch Augenwischerei, Zurschaustellung und nicht
halb so echt wie es den Anschein erwecken soll.