Sehen
Zimmer 14 im zweiten Stock
Es gibt in dieser Stadt
Stundenhotels für Paare.
Man glaubt es kaum.
In so ein Ding
checken wir am Mittag ein.
Der Typ an der Rezeption
grinst nicht.
Dafür ist er schon
zu lange hier.
Sein Blick ist eher
professionell gelangweilt.
Aber er zögert
einen Augenblick,
Wahrscheinlich überlegt er,
was er uns für ein
Zimmer gibt.
Das dreckige und billige,
das nach einem schmutzigen
Abenteuer riecht,
oder das Edle mit Plüsch
und einem barocken Bett
mit einem Lacklederlaken.
Meine Süße lässt
unter ihrem Mantel kurz
ihre Strapse blitzen.
Er nickt,
hat sich entschieden
und gibt uns die Schlüssel.
Es sind noch tatsächlich
altmodische Schlüssel,
Oldschool,
nichts digitales
und ich bin gespannt,
wofür er sich entschieden hat.
Zimmer 14,
zweiter Stock.
Aber immerhin gibt es
einen Fahrstuhl.
Sie geht vor.
Die Absätze knallen
auf dem Steinfußboden
und in meiner Hose ist
schon alles steif.
Drinnen, nun ja:
nichts Überragendes.
Kein pompöses Bett,
aber auch nicht dreckig.
Aber immerhin ein Spiegel
über dem Bett.
Sie zieht den Mantel aus,
darunter nur Strapse
und ein String,
der schon durchweicht ist.
Kein Vorspiel,
kein Küssen,
kein „wie war dein Tag“.
Sie kniet sich hin,
öffnet meine Jeans
mit den Zähnen,
nimmt ihn raus,
schaut hoch,
Augen glasig vor Vorfreude.
Heute zahlst du richtig,
oder?“, sagt sie,
Stimme tief,
fast heiser.
Ich nicke,
ziehe den Schein aus der Tasche,
knülle ihn zusammen,
schiebe ihn ihr zwischen die Brüste.
Sie lacht kurz,
spuckt drauf,
dann nimmt sie mich tief,
bis sie würgt,
bis Tränen kommen,
bis der Speichel Fäden zieht.
Ich weiß,
dass dieses Spiel ihr Freude macht.
Sie wäre gerne eine kleine
Hobby-Hure.
Aber sie traut sich nicht.
Vielleicht will ich es auch nicht.
Nicht alles was in der Fantasie
Spaß macht,
ist es auch in der Realität.
Später liegt sie auf dem Rücken,
Beine weit,
Schenkel glänzen,
sie fingert sich selbst,
während ich zusehe.
„Fick mich wie ’ne billige Nutte“,
flüstert sie,
„wie eine, die du auf der Straße
aufgabelst und nie wieder siehst.“
Ich drücke ihre Handgelenke
über dem Kopf fest,
ramme ihn rein,
hart,
ohne Rücksicht.
Das Bettgestell schlägt
gegen die Wand.
Sie stöhnt laut,
übertrieben,
Theater für sich selbst,
für mich,
für die Wände,
die alles schon hundertmal gehört haben.
Und ich denke an ihr frisch
gefärbtes Haar,
mit dem sie die ersten grauen Töne
überdeckt.