Sehen

Zosimos

Nico Schwarzer

Troja – wie habe ich - Zosimos - diesen Namen verflucht. Als er zum allerersten Mal auftauchte, da hieß es noch, es sei eine reiche Handelsstadt, und viele schwärmten und träumten davon, sie einst vielleicht zu besuchen, als Kaufmann oder Händler reich zu werden und vielleicht mit einer schönen Frau zurückzukehren. Man sprach dort auch Griechisch, man verehrte dieselben Götter, und wenn sie auch weit entfernt war, so war sie doch nah genug, um sie auf einer beschwerlichen Reise zu erreichen.

Und dann tauchte der Name wieder auf – Troja –, doch diesmal nicht als Verheißung, sondern als Ziel, das es zu erobern galt, weil dort die rechtmäßige Frau unseres Königs gefangen gehalten wurde: Helena, von Paris geraubt. Und so zogen wir in die Schlacht und kamen nicht als Besucher, nicht als Freunde, nicht als Gäste, sondern als Eroberer.

Doch dieser Krieg war mehr als nur ein Krieg um eine Frau. Er war auch mehr als nur ein Krieg um eine reiche Handelsstadt. Es war ein Krieg, der unsere Zeit zerbrach. Danach war nichts mehr so wie vorher. Die alten Handelsrouten zerfielen, das Vertrauen zerbrach, jeder Fremde wurde beäugt, ob er nicht die Vorhut eines großen Heeres sei, das einfällt. Wir waren die Ersten, die eine Stadt belagerten, und nach uns folgten viele. Die Zeit des Friedens war vorbei, und es begann die Zeit des Krieges, das Recht des Stärkeren.

Ich frage mich manchmal, ob die Götter es so gewollt haben – oder ob sie erschrocken sind über das, was sie ausgelöst haben, über das Leid, das über uns hereinbrach. Und wenn Jahre nach dem Krieg das Wort Troja fiel, dann fiel es nicht mehr mit glänzenden Augen, wie über einen verheißungsvollen Ort, es fiel auch nicht mit Zorn, wie über eine Stadt, die ein Verbrechen begangen hat, sondern es fiel mit Trauer in der Stimme. Weil danach nichts mehr war wie vorher.

Troja ist eine Erinnerung an eine alte Zeit, in der noch Frieden herrschte, in der man noch lachen und dem nächsten Tag freudig entgegensehen konnte. Eine Zeit, in der Not ein Fremdwort war, in der wir alle genug zu essen hatten, ein Dach über dem Kopf und die Sicherheit, den nächsten Tag gesund zu überleben. Seit Troja fiel, existiert diese Gewissheit nicht mehr. Die Ernten sind schlecht, die Nachbarn potenzielle Feinde, und von den Göttern wissen wir auch nicht mehr, was wir zu halten haben.

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