Sehen
Zwei Freundinnen
Ich sehe sie wie Sie vor dem Spiegel steht. Ich sehe sie ganz genau –, wie sie sich anschaut, Ihren Körper anschaut Und Von sich Und ihrem Körper Überzeugt ist. Ich sehe sie wie sie mit den Augen zwinkert, zuzwinkert. Und dabei lächelt. Wie sie sich nackt auszieht und ihre Hände an ihre Hüften legt. Sie sieht gut aus, Das weiß sie selbst. Sie hat eine makellose Haut Sie möchte, daß sie sich zulächelt. Und sie lächelt sich zu. Sie trägt ihre Haare offen. Sie stellt sich auf die Zehenspitzen, und kommt wieder herunter. Sie spreizt ihr Zehen Und legt ihre Haare nach vorn. Sie denkt nach, sie denkt nach über Ihre Freundinnen Und über andere junge Frauen. Sie denkt nach über ihren Körper. Der Im Verlauf der Jahre reifer geworden ist. Sie ist sich nicht ganz sicher, ob sie heute eine andere Frau wäre, wenn Sie damals, als sie ans Meer gezogen war, Silvia nicht kennengelernt hätte. Silvia hat sie zur Frau gemacht. Durch Sie hat sie die Leidenschaft für das weibliche kennengelernt. Seitdem hat sie keinerlei Interesse mehr an Männern, für Männlichkeit, und für maskuline Eigenschaften, Attitüden, und Verhaltensweisen. Männer sind mittlerweile für sie wie Landschaften, wie interessante Gebäude, wie Tiere die man mag. Oder Objekte, die nur zum Vergnügen da sind. Frauen dagegen, stehen jetzt bei ihr im Fokus. Was ihr Leben betrifft. Ich sehe sie, wie sie vor dem Spiegel darüber nachdenkt und weiter lächelt, weiter lächelt, und sich mit einem Auge zuzwinkert. Ich sehe sie deutlich. Wie sich langsam Ihr Kopf nach hinten über ihre Schultern auf ein Objekt richtet, daß ich sein könnte. Ich sehe sie so nackt wie sie vor ihrem Spiegel steht Sich wieder auf die Zehenspitzen stellt, wieder herunterkommt, Ihre Arme hebt, um sich ihren vollendet schönen Busen zu fassen. Dieser Busen ist das, was mich an ihr so fasziniert. Ihre Überheblichkeit hat nichts, aber auch gar nichts damit zu tun. Ihre Eitelkeit, ihr Stolz, und ihr Zynismus ebenso wenig. Sie kam auf mich zu, hob mein Hemd hoch, schaute auf meine Brüste. Und ließ das Hemd wieder fallen. Waren es allein meine hässlichen Hängebrüste? Ist es eine Obsession? Will ich sie einfach nur haben? Will ich mich ihr einfach nur unterwerfen? Oder soll mehr geschehen. Mit ihr, mit mir, mit uns? Es gab eine Zeit, ja, tatsächlich gab es die – da hat sie mir ins Ohr geraunt, sie liebe mich. Das war eine Seligkeit, die ich lange Zeit auskostete. Doch leider wurde dieser Zustand mehr und mehr abgenutzt. Sie sprach plötzlich anders von uns. Ja, und wir lachten dann über so vieles, waren ausgelassen und lachten sogar über meine Hängebrüste – über die ich mich immer geschämt habe. Aber sie versicherte mir, sie liebe meine Brüste, ich sei doch eine wunderschöne Frau. Das zählte. Nicht die Einzelheiten, die uns nicht so sehr gefallen an uns. Wird es weitergehen? Wird es aufhören? Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist, daß ich sie liebe.