Halt finden

46 Chloé d'Aubigné10-16 Minuten

Ich sitze am Fensterplatz, die Landschaft zieht gleichförmig vorbei. Felder, Wälder, ein Stück Autobahn, dann wieder flatternde Wäsche auf Balkonen. Es ist einer dieser Züge, die zuverlässig rollen, alle drei Stunden, und zugleich etwas Anonymes haben, als wäre die Zeit zwischen Abfahrt und Ankunft …

Mehr als genug

49 Chloé d'Aubigné7-12 Minuten

Ich hasse diesen Spiegel im Eingangsbereich des Studios. Jedes Mal, wenn ich daran vorbeigehe, gleitet mein Blick prüfend über meinen Körper. Und jedes Mal bin ich unzufrieden damit, was ich sehe. Mal, weil ich eine zu dicke Variante von mir sehe. Mal, weil ich der Meinung bin, ich bin nicht …

Verbotene Rumba

47 Chloé d'Aubigné8-13 Minuten

Während meiner Studienzeit habe ich nicht nur viele Stunden in Vorlesungen und Bibliotheken verbracht, sondern auch am Tanzparkett. Ja, mein Leben drehte sich damals erstaunlich stark ums Tanzen. Ich hatte zwar keine Ambitionen, es einmal beruflich oder gar professionell zu machen – dazu fehlte mir …

Im Zwielicht seiner Wohnung

45 Chloé d'Aubigné8-13 Minuten

Die Einkaufstüten hingen an mir herunter wie zwei bleierne Gewichte. Wer wie ich den Familieneinkauf zu Fuß erledigt, der braucht wahrlich keinen anderen Sport mehr zu machen. Natürlich war auch der Schlüsselbund nicht in der Manteltasche, in welche ich automatisch greifen wollte, sondern in der …

Zwischen den Zeilen

30 Chloé d'Aubigné5-9 Minuten

Er lachte leise, kaum hörbar – ein Ton, halb amüsiert, halb überrascht. „Das ist … mutig“, sagte er, während sein Blick über die Seite glitt, die sie ihm hingelegt hatte. „Wirklich mutig, Anna.“ „Mutig?“ Sie legte den Kopf schief. „Oder peinlich? Sei ruhig ehrlich, ich kann es ertragen“, auch wenn …

Knusprig und heiß: mein Rösti-Geheimnis

122 Chloé d'Aubigné6-10 Minuten

Neulich fragte mich eine Kollegin aus dem Büro, ganz harmlos, bei einer Kaffeepause: „Sag mal, du lebst doch schon so lange in Zürich – wie macht man eigentlich richtige Rösti?“ Dass sie mich dies fragte, machte Sinn. Sie war erst kürzlich nach Zürich gekommen und wollte sich wohl, wie ich vor …

Die Kunst, ruhig zu bleiben

47 Chloé d'Aubigné8-13 Minuten

„Wie schaffst du es eigentlich immer, so ruhig zu bleiben?“ Saskia lehnt sich mit ihrem Kaffeebecher an die Fensterbank im Lehrerzimmer und mustert mich mit dieser Mischung aus Bewunderung und Neugier, die ich bei ihr noch nicht allzu oft gesehen habe. „Ich meine, das Gespräch gestern mit Frau …

Ein Abend mit mir

Eine geheime Fantasie

34 Chloé d'Aubigné9-14 Minuten

Die Haustür fiel sanft hinter ihr ins Schloss, als sie nach Hause kam. Es war später geworden, als sie geplant hatte, doch die Zeit war wie im Flug vergangen. Sie musste an die letzten Stunden denken. Immer noch hallte das Lachen ihrer Freundinnen in ihren Ohren, dieses helle, beinahe jugendliche …

Der Wolf in der Stadt

46 Chloé d'Aubigné10-17 Minuten

Die Stadt hatte ihr von Anfang an ein abweisendes Gefühl gegeben, wie eine Art Durchzugsort, wie ein Hotelzimmer, in dem man zwar lebt, aber nie ganz ankommt. Die Fassaden wirkten kühler als in ihrer Heimat, die Straßen breiter, der Himmel ein wenig grauer – doch vielleicht war das nur ihre …

Im Stillstand

38 Chloé d'Aubigné9-14 Minuten

Noch bevor die Sonne über Zürich aufgeht, ist der Tag schon im roten Bereich: Mails blinken, Akten stapeln sich, Hektik wie ein Dauerrauschen in der Kanzlei. Ich komme ins Büro, spüre die Spannung in der Luft – und da taucht er auf: Herr Weber. Schlips akkurat, Tonfall scharf, die Haare immer exakt, …